Die heilende Kraft der Pferde - Mein Weg zu Vertrauen, Hingabe und bedingungsloser Liebe


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EPUB-Format

Art.Nr.: A47277
Autor:  Ren  Hurst
Ren Hurst
Zusätzliche Infos: Vorwort von J. R. Westen
Umfang: 224 Seiten
Einband: Hardcover mit Leseband
Coverdownload: Link zum Herunterladen

»Mein Lebensziel ist es, durch meine Erfahrung mit Pferden und mein Wissen über sie das Bewusstsein der Menschen anzuheben und sie zur Liebe zu inspirieren.« - Ren Hurst

Ren Hursts aufrichtige und sensible Schilderung ihres erstaunlichen Werdegangs bietet einen großartigen Einblick in wahre Kraft, bedingungslose Liebe und höchste Authentizität. Nach einer turbulenten und schmerzhaften Kindheit kommt sie als Teenager erstmals in Kontakt mit Pferden. Sie sind ihre Rettung, ihre erste Erfahrung mir purer Freude und Freiheit. Bald wird sie eine leidenschaftliche Reiterin, die es bis Spitze schaffen will. Doch ihr Aufstieg nimmt eine unvorhergesehene Wendung, als sie einen völlig neuen Umgang mit Pferden kennenlernt, der alle ihre bisherigen Erfahrungen in Frage stellt. Ihre neue Sichtweise auf Pferde und den Umgang mit ihnen wird zu einer großen Herausforderung und greift unvermeidlich in Rens Leben ein. Radikale Veränderungen in ihrem Selbstverständnis und ihrem Verständnis der Menschen und der Welt sind die Folge, die zu einer immer größeren Leidenschaft für das Leben führt.

Dieses Buch erzählt die Geschichte einer jungen Frau: ihr persönliches Wachstum, ihren Aufstieg zu Ruhm und Erfolg, ihre lebensverändernden Einsichten - angeleitet durch die ebenso kluge wie wohlmeinende Führung der Pferde, ihrer größten Leidenschaft im Leben.

Ren Hurst ist ehemalige Pferdeausbilderin und Hufbearbeiterin. Nach mehreren grundlegenden Perspektivenwechseln verließ sie Texas und die professionelle Welt der Pferde, um weit im Norden von Kalifornien einen Gnadenhof und Zufluchtsort zu gründen, der auf allem aufbaut, was sie in ihrem Leben von den Pferden gelernt hat. Heute ist sie die Leiterin von Sanctuary13 und Mitbegründerin der New World Sanctuary-Stiftung in Südoregon. Die heilende Kraft der Pferde ist ihr erstes Buch.

VORWORT VON J. R. WESTEN

Es ist etwas Wunderbares, ein gutes Buch zu lesen. Ich mag es einfach, wenn eine Geschichte mich mitreißt, wenn ich sie erlebe, als wäre ich eine ihrer Figuren, und wenn ich sie nachempfinden kann, als wäre der Weg dieser Figur mein eigener. Genau dies ist geschehen, als ich Die heilende Kraft der Pferde gelesen habe. Ich konnte es nicht aus der Hand legen.
Außerdem hatte ich zufälligerweise das Glück, zum großen Teil mitverfolgen zu können, welch wunderbare Wandlung im Leben der Verfasserin eingetreten ist, während sie dieses Buch geschrieben hat. Ich kann Ihnen sagen, dass sich während des gesamten Prozesses ihr Wille, für andere etwas zu bewirken, nur noch verstärkt hat, weil sie ihre Absicht nun noch klarer und zielsicherer verfolgt. Obwohl Ren und ich uns erst vor wenigen Monaten kennengelernt haben, spürte ich gleich, dass diese Bekanntschaft sich positiv auf mein Leben auswirken würde. Bei der Lektüre ihres Manuskripts hat sich dieses Gefühl noch vertieft. Ich bin überzeugt, Sie werden feststellen, dass es auch auf Ihr Leben eine ganz ähnliche Auswirkung hat.
Einige meiner Lieblingsbücher sind genauso geschrieben wie dieses hier. Es sind Geschichten über persönliches Wachstum, erzählt von Menschen, die die Bereitschaft und den Mut besitzen, ihr Leben vor aller Augen zu ändern, selbst wenn dies unangenehme Aufmerksamkeit mit sich bringt. Ich lese sehr gerne Schriftsteller, die sich danach sehnen, innerlich zu wachsen, ungeachtet aller »Stock und Stein«-Momente, die sie dabei überstehen müssen. Das kurze Unbehagen, das durch die negativen Meinungen anderer möglicherweise ausgelöst wird, auszuhalten ist allemal besser, als die Chance zu verpassen, die echte Veränderung mit sich bringt. Dennoch müssen wir alle selbst entscheiden, ob wir dieses Risiko eingehen wollen, und entweder wir vollziehen die Veränderung oder nicht. Beide Möglichkeiten haben vorhersehbare Folgen – wählen Sie weise.
Ren erkannte ihre erlernten Überzeugungen und ging sie mit Mitgefühl sowie der Bereitschaft an, auch andere Meinungen gelten zu lassen. Wie allen großen Denkern war auch ihr klar, dass es nicht darum geht, ob andere »recht« oder »unrecht« haben, sondern darum, die eigene Wahrheit zu finden. Gerade so wie es Mut erfordert, etwas im Leben zu verändern, braucht es auch Mumm, ein solches Buch zu lesen. Es ist gut möglich, dass dieses Buch einige Ihrer solidesten Überzeugungen in ihren Grundfesten erschüttert.
Ren überprüfte nicht nur ihr Denken, sondern sie fing auch an, ihrer Intuition und ihren Einsichten in neue Möglichkeiten für ihren Lebensweg zu vertrauen und zu folgen, selbst wenn dadurch alles in Frage gestellt wurde, was ihr bisher heilig gewesen war. Damit will ich nicht sagen, dass dies ein einfacher Prozess war oder ist (für Ren war es eindeutig nicht so, wie Sie noch entdecken werden). Doch gerade diese Erkenntnisse und diese Bereitschaft, alles zu hinterfragen, was wir für gesichertes Wissen halten, stoßen die Tür zu einem größeren Leben auf. Wenn unsere Weltanschauung sich ändert, funktionieren viele gewohnte Denkmuster einfach nicht mehr. Ganz gleich, wie lange die Menschheit an einer bestimmten Überzeugung festgehalten haben mag, wenn die Zeit zur Veränderung gekommen ist, ist jeder Widerstand zwecklos. Den Mut zu haben, bis zum Äußersten zu gehen und seine Überzeugungen zu erweitern – oder sie endgültig loszulassen –, darum geht es in Rens Geschichte.
Vielleicht finden Sie auf diesen Seiten Gelegenheit zur Veränderung. Sie sind eingeladen, nicht nur Ihre erlernten Überzeugungen zu erkennen, sondern auch festzustellen, ob das, was Sie gelernt haben, Ihnen heute noch entspricht. Wenn nicht, dann fangen Sie gleich an, Neues zu lernen.
Es ist nicht die Absicht der Verfasserin, jemandem das Gefühl zu vermitteln, er habe etwas »falsch« gemacht, weil er sein Leben so lebt wie bisher. Vielmehr will sie uns ermutigen herauszufinden, wie das Leben sein könnte, wenn wir Veränderungen begrüßten und Antworten auf immer größere Fragen sowie Möglichkeiten suchten, größer zu sein und zu werden – nicht nur im Verhältnis zu uns selbst, sondern zu allen Lebewesen, mit denen wir hier auf Erden verbunden sind.
Bitte denken Sie bei der Lektüre dieses Buches oder überhaupt bei jedem Prozess, den Sie im Leben durchlaufen, daran, mit den Augen der Liebe und des Mitgefühls zu sehen. Seien Sie bereit, das Urteilen, das zu Verachtung führt und niemandem dient, loszulassen. Die Folgen des Urteilens sind vorhersehbar, schmerzlich und zwecklos. Entscheiden Sie sich einfach immer wieder für die Liebe. Dies ist die höchste Wahl, die ein Wesen treffen kann. Wenn ich dieses Buch mit einem Zitat zusammenfassen müsste, dann vielleicht mit dem folgenden, das Jimi Hendrix zugeschrieben wird: »Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt.« Ren lädt uns ein, die Macht der Liebe statt die Liebe zur Macht anzunehmen. Ihre Beziehung zu Pferden hat ihr die heilende Kraft und das wahre Potenzial bedingungsloser Liebe gezeigt. Viele dieser Pferde helfen ihr heute bei ihrer Heilarbeit nicht nur für andere Pferde, sondern auch für Menschen.
Es ist inzwischen eine meiner liebsten Tätigkeiten, den Tag auf Rens Gnadenhof zu verbringen. Die bedingungslose Liebe, die ich dort finde, heitert mich auf. Jetzt, da ich ihr Buch gelesen habe und verstehe, welchen Weg sie auf sich genommen hat, um die Liebe zu finden, die schon immer in ihr war, weiß ich sie nur umso mehr zu schätzen.
Nun sind Sie an der Reihe. Ich hoffe, dass ihr Buch Sie genauso tief berührt, wie es mich berührt hat.

In Liebe, J. R. Westen

Zertifizierter Suchtberater und geschäftsführender Direktor der Conversations with God-Stiftung in Ashland, Oregon. Außerdem ist er Kuratoriumsmitglied der New World Sanctuary-Stiftung.

KAPITEL 2: FANCY – SO EIN SCHMERZ

»Schau zurück auf unser Ringen um Freiheit, geh unserer heutigen Kraft auf den Grund, und sieh, dass des Menschen Weg zur Größe auf den Knochen des Pferdes ruht.« - Verfasser unbekannt

{Da saß ich nun, voller blauer Flecken und Schnitte, und die Tränen schossen mir aus den Augen. Ich dachte, du machtest dir etwas aus mir, doch wenn es um deine Bedürfnisse ging, dann erging es mir bei dir genau wie bei allen anderen: Am Ende landete ich auf dem Arsch im Dreck. Ich hasste dieses Leben. Es war von Grund auf ungerecht. Ich weiß noch, wie ich in der sechsten Klasse einmal mit ein paar anderen Kindern Handlesen gespielt habe. In dem Spiel sollte ermittelt werden, in welchem Alter man sterben würde. In meiner Hand stand wohl, dass ich mit einundzwanzig sterben würde. Ich weiß noch, dass ich dachte: »Gott sei Dank, dann muss ich das alles zumindest nicht mehr allzu lang mitmachen.« Dann hörte ich, dass deine Hufe auf mich zu stapften und dein verzweifeltes Wiehern mich rief. Ich hielt den Atem an, und die Tränen versiegten. Du kamst zu mir zurückgerannt und schautest dich verzweifelt um. Konnte das sein?
Hattest du wirklich gerade deinen Eimer Futter und deinen Kumpel im Stall stehen gelassen, um nach mir zu suchen? Stimmt, du hattest mich eigentlich überhaupt nicht abgeworfen; ich hatte einfach nur das Tempo und die Entfernung für den Sprung falsch eingeschätzt und konnte mich nicht gut genug festhalten. Allerdings war es wesentlich leichter, dir die Schuld zuzuschieben. Doch du bist zurückgekommen und wirktest verzweifelt und besorgt.
Nein, das packe ich nicht. In meiner Brust spürte ich ein Brennen. Es tat immer noch viel zu weh zum Aufstehen, daher klaubte ich ein paar Steine um mich herum zusammen. Ich warf sie nach dir und schrie dich an, du solltest bloß abhauen und mich in Ruhe lassen. Dabei liefen mir Tränen über meine glühend roten Wangen. Doch du bist nicht abgehauen, Fancy. Im Zickzack bist du um mich herumgelaufen und hast mich gedrängt, wieder auf die Beine zu kommen. Ich verweigerte. Du hast gewartet.
Ich konnte nicht glauben, dass du zurückgekommen bist, und ich konnte es auch nicht annehmen. Doch du hattest mir einen ersten Eindruck vermittelt, wozu Pferde fähig sind, und das konnte ich nicht vergessen. Der Schmerz und die Wut in mir waren aber zu groß, als dass ich es hätte an mich heranlassen können. Stattdessen habe ich damals beschlossen, dass es wohl sicherer wäre, wenn ich so etwas nicht erlebte. Ich stand auf, und schweigend gingen wir zurück zum Stall, Seite an Seite, doch ohne Interaktion zwischen uns. Liebe konnte ich nicht annehmen. Das war einfach zu viel.}

Irgendwann war ich echt frustriert über meine Versuche, Katy dazu zu bringen, dass sie auf mich hört, und wollte mehr. Mir war langweilig geworden, und ich wollte auf dem Rücken meines Pferdes Entscheidungen treffen können. Außerdem wollte ich mit jemandem zusammen reiten können, aber ich hatte keine Freundinnen mit Pferden, daher wünschte ich mir ein zweites Pferd, das meine Freundinnen reiten könnten. Ich überzeugte meine Mutter, dass ich ein weiteres Pferd bräuchte, und so kam Fancy zu uns. Für ein Mädchen wie mich wäre Fancy das perfekte Erstpferd gewesen. Sie war klein, nur etwa 130 cm Schulterhöhe, um die sieben Jahre alt und zuvor von einem Mädchen ausgebildet worden, das nicht viel älter war als ich. Fancy und ich waren eine erstaunliche Kombination. Sie versuchte alles, was ich von ihr verlangte, und ohne einen blassen Schimmer von Pferdeausbildung konnte ich ihr beibringen zu springen und mich ohne Sattel absolut überallhin zu tragen, wo ich wollte. Zum ersten Mal verspürte ich außerhalb meiner Komfortzone Selbstvertrauen; und dass kleine Jungs auf ihren Fahrrädern mir nachpfiffen, wenn ich ohne Sattel auf meinem Pony über alte Landstraßen ritt, tat meinem Selbstwertgefühl auch nicht gerade einen Abbruch. Leider führt diese Art der Aufmerksamkeit nicht zu echtem Selbstvertrauen, sondern eher auf einen erheblich dunkleren Pfad, besonders für ein Kind wie mich.
Ich war knallhart. Ich kämpfte mit Jungs, bis sie eine blutige Nase hatten. Ich spielte genauso gut Fußball wie jeder Junge, den ich kannte. Ich hing mit Jungs ab, die wesentlich älter waren als ich, und lernte Dinge, die ich in meinem zarten Alter nicht zu wissen brauchte. Ich war immer noch so zornig, und damals waren die Pferde für mich immer noch ein Ventil der Liebe, wie ich sie kannte, der Freiheit und der Flucht. Liebe bedeutete für mich, sich in Gegenwart eines anderen wohl zu fühlen, weiter reichte mein Verständnis damals nicht. So lieb Fancy auch zu mir war, eine Sehnsucht gab es noch, die zu erfüllen ich ihr nicht beibringen konnte – volles Tempo zu laufen und dabei das Gefühl zu haben, dass der Wind mich ihr vom Rücken reißen will. Sie war nicht annähernd so schnell wie Katy Bug, doch Futter – insbesondere wenn es mit Melassesirup angereichert ist – ist für ein Pferd eine sehr starke Motivationskraft. Diese Technik nutzte ich nach wie vor, um meine Adrenalindosis zu kriegen; doch mit Fancy war das sogar noch kühner und gewagter. Von der hintersten Ecke des Geländes aus, wohin ich Katy für unsere verrückten Ritte immer führte, hatten die Mädels einen ganz bestimmten Pfad ausgetreten. Direkt neben diesem Trampelpfad befand sich ein großer Felsbrocken, auf dem ich stehen konnte; und wenn ich pfiff, galoppierten die Mädels auf dem Pfad los in Richtung Stall, wo sie ihr Futter bekamen. Mitten in ihrem Lauf sprang ich dann in die Luft und landete auf Fancys Rücken, wo ich wie wildgeworden kicherte, bis wir am Stall angelangt waren. Was für ein Rausch!
Eines Tages – ging mein Plan nicht ganz auf. Ich pfiff, die Pferde liefen, ich sprang – und die Pferde rannten weiter, während ich mit dem Hintern voran hart auf dem steinigen Boden unter mir landete. Ich saß auf dem Boden und brüllte – nicht vor Schmerz, obwohl es sehr weh tat, sondern weil mein Stolz schwer angeschlagen und ich, wie üblich, stinksauer war. Die Mädels waren längst weg, wahrscheinlich standen sie im Stall und stopften sich mit Zucker voll. Die Tränen kullerten mir über die Wangen, und mein Gesicht brannte vor Frust – da hörte ich ein sehr ungewöhnliches Geräusch. Es war ein Wiehern, aber ein gestresstes, als stimmte irgendetwas ganz und gar nicht. Plötzlich kam Fancy den Pfad entlanggeprescht; unruhig auf der Suche nach etwas lief sie das ganze Gelände ab. Dann entdeckte sie mich, schrie lauter und lief direkt auf mich zu. Sofort wurde mir klar, dass sie wegen mir zurückgekommen war. Fast spürte ich die Liebe dieses Pferdes, als ich begriff, dass sie ihre Begleiterin und ihre Hauptmotivation im Leben, ihr Futter, stehen gelassen hatte, um zurückzukommen und mich zu holen – fast spürte ich sie. Unter heftigem Schluchzen klaubte ich Steine auf und warf sie nach ihr. Dabei brüllte ich sie an, sie solle weggehen. Sie verweigerte. Sie ließ mich nicht allein, im vollen Bewusstsein dessen, dass Katy sich im Stall wahrscheinlich gerade über beide Futtereimer hermachte. Schließlich stand ich auf und stapfte zurück zum Stall, mit mehr Wut auf die ganze Welt im Bauch als wohl je zuvor und ohne zu merken, dass mir gerade der erste echte Einblick in bedingungslose Liebe geschenkt worden war – und ich konnte noch nicht einmal zulassen, dass ich sie spürte.
Unsere Beziehung war von da an nicht mehr dieselbe. Zuhause war mein Leben sehr chaotisch geworden. Was Fancy mir gezeigt hatte, tat zu weh, als dass ich damit hätte umgehen können, und außerdem hatte ich einen menschlichen Freund, dem ich meine Aufmerksamkeit widmen wollte. Ich hatte eine Mauer um mich hochgezogen, und die sollte nicht so bald wieder einstürzen. Geld wurde in diesem Alter etwas scheinbar sehr Wichtiges, und ich erkannte, dass Fancy wegen meiner Erfolge mit ihr wahrscheinlich inzwischen sehr viel mehr wert war, als wir für sie bezahlt hatten. Mein Entschluss stand fest: Ich würde versuchen, sie zu verkaufen. Ich stellte sie in eine Online-Börse ein und hatte sehr schnell eine Kaufinteressentin aus North Carolina. Alles ging sehr schnell. Ich war mächtig stolz auf mich, weil ich so ein großes Geschäft eingefädelt hatte, noch dazu online, und weil ich für jemand meines Alters einen ordentlichen Reibach machte. Das einzige Problem war – die Frau, die Fancy erworben hatte, schickte mir ein paar Tage, nachdem sie per Spedition nach North Carolina gebracht worden war, eine wütende eMail, in der sie einen Teil des Kaufpreises zurückforderte. Sie behauptete, Fancy sei eher dreißig Jahre alt (was absolut nicht stimmte), sie sei eine Kopperin und habe bereits ihren neuen Stall zerstört. Ich wusste nicht, was das hieß, insbesondere, da wir sie auf einer offenen Weide gehalten und keinerlei Probleme oder sonst irgendetwas bei ihr festgestellt hatten, was Anlass zur Sorge gäbe. Außerdem sagte sie, Fancy sei krank, was auf der Reise in ihr neues Zuhause eingetreten sein musste, wenn es denn überhaupt stimmte. Ich versuchte, die Situation zu bereinigen, so gut es mein junger Verstand damals vermochte, aber ich hatte das Geld bereits für mein erstes Auto ausgegeben. Als ich der Frau mein Alter verriet (sie hatte sich auf ein Online-Geschäft mit einer Fünfzehnjährigen aus einem anderen Bundesstaat eingelassen und dabei unbesehen ein Pferd gekauft), rastete sie aus. Am Tag darauf erhielt ich eine eMail, in der es hieß, ein Futtermittelhersteller sei bereits unterwegs, um die schreckliche Kreatur, die ich ihr verkauft hätte, abzuholen. Dann hörte ich nie wieder etwas von der Frau.
Etwas in mir zerbrach, aber irgendwie wurden die Mauern, die ich bereits um mich herum hochgezogen hatte, nur noch höher und dicker und stärker als je zuvor. Ich drückte den Schmerz ganz tief nach unten und traf unbewusst die Entscheidung, Pferde als Wirtschaftsgut und nicht als etwas Persönliches zu betrachten. Damit war der Boden bereitet für die Geschichte, die Sie gleich lesen werden. Jahre später recherchierte ich Fancys Papiere – sie war nie von meinem Namen auf eine andere Eigentümerin überschrieben worden.

WIE PFERDE UNS HEILUNG BRINGEN. EINIGE BUCHAUSZÜGE ...

Wie die Welt heute Pferde behandelt, ist alles andere als bedingungslos. Alle, die ich kenne, behaupten, dass sie ihr Pferd lieben. Wenn man sich aber einmal gründlich anschaut, wie diese Liebe aussieht, ist sie dann echt? Ist es Liebe, wenn man jemandem ein Stück Metall in den Mund steckt, um ihn zu kontrollieren? Ist es Liebe, wenn man ihn darauf konditioniert, dass er einen zum eigenen Vergnügen herumträgt? Ist es Liebe, jemandem immer dann gewisse Fesseln anzulegen, wenn man mit ihm zusammen sein will? Ich denke nicht. Ich weiß, dass wir Liebe zu Pferden empfinden können, wenn wir so mit ihnen umgehen. Ich weiß auch, dass ich Liebe für jeden Menschen empfunden habe, den ich im Leben aufgrund meines lieblosen Verhaltens verloren habe. Würden Pferde nicht in Ställen oder auf Weiden gehalten, kann ich ihnen versichern, dass sie bei einem Großteil unseres traditionell akzeptierten Verhaltens ihnen gegenüber auf und davon laufen würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Auf meinem Weg und während meiner Aus- und Fortbildungen bin ich vielen angeblichen Pferdemeistern begegnet. Einige durfte ich zu meiner großen Freude Freunde nennen – von berühmten Ausbildern bis zu Kunstreitern, von professionellen Cowboys bis zu ganzheitlichen Tierheilpraktikern, Ernährungsexperten und Futterentwicklern bis zu Therapeuten für Menschen, die zu Heilzwecken mit Pferden arbeiten. Jeder war auf seine Weise bewundernswert und inspirierend, und je mehr ich lernte, desto mehr brach mir das Herz wegen ihnen, wegen mir selbst und wegen der Pferde, die wir doch angeblich lieben. Alle diese Menschen setzten Pferde ein, um anderen zu helfen und sie zu allem, von Mut über Heilung bis zur Güte anzuregen, doch hinter verschlossenen Türen und sobald alle Ablenkungen weg waren, war nicht einer von ihnen im Reinen mit sich und seiner Welt. Da ich viele in der Vertrautheit ihrer persönlichen Umgebung kennengelernt habe, kann ich sagen, dass ihre inneren Kämpfe praktisch dieselben waren wie meine und wie die der Menschen, denen sie zu helfen versuchten – wenn sie nicht ein Pferd dazu benutzten, ihnen die Arbeit abzunehmen. Ohne die Pferde wussten sie noch nicht einmal, wer sie waren. Es war nicht ihre eigene Kraft, die sie an die Welt weitergaben. Es war nicht meine Kraft, die ich an die Welt weitergab. Es war die der Tiere.

Menschen, die meine Pferde in ihrem neuen geheilten Zustand nicht erlebt haben, kann man nur sehr schwer erklären, wie anders sie jetzt sind als früher und wohl auch als die meisten Pferde, denen man begegnet. Man muss es erlebt haben, um es zu verstehen. Einfach bei ihnen zu sein, hat sich für mich zur profundesten spirituellen Praxis entwickelt, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, weitaus wohltuender als meine wiederholten Meditationsversuche. Auf diese Art und Weise bei den Pferden zu sein, war eine Zeitlang die einzige positive und gesunde Möglichkeit für mich, meinen Geist zur Ruhe zu bringen und auf mein inneres Wissen zu lauschen. Daran wollte ich alle Menschen teilhaben lassen.

Weil ich das Intelligenzniveau von Tieren so lange und so abgrundtief unterschätzt hatte, kam ich mir jetzt, da ich vor der Wahrheit stand, was sie tatsächlich zu begreifen vermögen, in ihrer Gegenwart wie eine Sklavenhalterin vor. Kein Wunder, haben wir doch dafür gesorgt, dass sie dumm bleiben. Ist das nicht auch die Methode, mit der wir Angehörige unserer eigenen Art lange unter Kontrolle halten können?

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