Aus: Lisa Biritz
»SPIRIT IM GEPÄCK«
Inhalt
Vorwort von Jeanne Ruland
1 Das Öffnen
2 Das Glücksministerium
3 Kraft der Liebe
4 Sternenfamilie
5 Die unsichtbare Welt und Orbs
6 Schamanismus
7 Neuer Schamanismus
8 Delfine und Wale
9 Spirit-Linien
10 Ahnen – Sieben Generationen
11 Tod und Wiedergeburt
12 Rückführungen – Erinnerungen an vergangene Leben
13 Bardo Thödol – Das Tibetische Totenbuch
14 Quantenphysik über Wiedergeburt
15 Medizinrad und Lebensaufgabe
16 Reisen
17 Hawaii – Lemuria
18 Werte des Lebens
19 Die Rückkehr des Regenbogens
20 Delfinmagie
21 Pele – Vulkan
22 Wassergießen
23 Tiermedizin
24 Scheidewege
25 Sternenwesen
26 Starseeds
27 Wir alle kommen von den Sternen
28 Walmagie
29 Koyaanisqatsi – Verrückte Welt
30 Seelenrückholung
31 Frauen und Männer im Gleichgewicht – die Welt im Gleichgewicht
32 Begeisterung fürs Leben
33 Schwimmen mit den ganz großen Walen
34 Träumen
35 Kinder der Neuen Zeit
Die Autorin über sich
VORWORT VON JEANNE RULAND
Lisa ist ein Mensch, der Welten miteinander verbindet, weil sie diese in sich
vereint. Sie hat amerikanische, österreichische und holländische Wurzeln.
Sie liebt die Berge und das Meer. Sie reist und ist doch beständig in ihrer
Art. Sie ist ein Mensch, der authentisch lebt, was er schreibt. Und sie hat auf
ihrem Lebensweg viel Wissen gesammelt, das sie nun einfühlsam mit uns teilt.
Sie ist eine Regenbogen-Brückenbauerin, die uns in ihrem »Spirit-Gepäck«
mitnimmt in andere Frequenzen und Dimensionen.
Ich begegnete Lisa das erste Mal auf Hawaii zum Schwimmen mit wilden Delfinen.
Ihre kraftvolle, kompetente, freie und zugleich so natürliche Art, Menschen
mit dem Spirit der Delfine und Wale zu verbinden, beeindruckte mich sehr –
und ich spürte, wie sich im Kontakt mit den Delfinen mein Bewusstsein veränderte.
Ich wechselte in eine spielerisch fließende, multidimensionale Wirklichkeit,
die mich nicht mehr verließ.
Wenn wir mit Delfinen schwimmen und tauchen, sind wir gebadet in Töne und
Klänge, die uns erfüllen, aufladen, erheben, tragen und öffnen.
Wir sind eingebettet in eine ewige, zeitlose, schwerelose, klingende und tönende
Essenz, der unser wahres Wesen entstammt. Und wenn wir uns für diese Essenz
öffnen, können wir im Einklang mit der Erde, den Sternen und dem gesamten
Universum leben. Dann setzt der Flow ein, und wir werden leicht und spielerisch
auf einer Welle der Liebe getragen.
Mit dieser frei fließenden Liebesenergie können wir in unserem täglichen
Leben kreative und ungewöhnliche Lösungen finden. Wir können in
das Mysterium des Lebens eintauchen und unser Leben schöpferisch und freudvoll
gestalten.
Ich freue mich, dass dieses wunderbare Buch jetzt das Licht der Welt erblickt.
Die Erkenntnisse, die darin zu uns kommen, sind lange vorbereitet, und es hat
die Kraft, Menschen zu inspirieren und sie an die liebende, lebendige Stimme der
Schöpfung zu erinnern, die uns alle auf einzigartige Weise führt, trägt,
nährt und anleitet. Es wird gewiss viele Menschen in ihrer Seele tief berühren.
Möge dieses Buch allen, die es in Händen halten, den größten
Segen bringen. Möge es ein kraftvoller Wegbereiter in die Neue Zeit sein.
Möge es uns erheben und inspirieren zu einem ozeanischen Bewusstsein, das
allen fühlenden Wesen nichts als Frieden und Freiheit beschert. Möge
alles darin Miterschaffene seine machtvolle Wirkung entfalten – in Liebe
und Harmonie – zum Seelenheil von allem und jedem – jederzeit.
Aloha mahalo für dein wundervolles und heilkräftiges Wirken,
Lisa. Du ermutigst uns, unserem einzigartigen Weg auf der Erde vertrauensvoll
zu folgen. Lassen wir uns von deinem Wissen und deinen Erfahrungen in eine umfassende
Sicht der Wirklichkeit tragen, in eine lebendige Verbindung mit der gesamten Schöpfung.
Aloha nui loa. Schön, dass es dich gibt, Lisa. Danke, dass du uns
teilhaben lässt.
In Liebe und Verbundenheit
Jeanne Ruland
KAPITEL 1: DAS ÖFFNEN
Ozeane, die beinahe Dreiviertel der Oberfläche unseres blauen Planeten
bedecken. Delfine, die auf den Wellen springen und tanzen. Gigantische sanftmütige
Wale, die in die Tiefe tauchen. Tausende winziger gelber Fische, die sich zu einem
eigenständigen Wesen zusammenschließen. Leuchtend orangefarbene und
rote Korallen – das Zuhause von Millionen von Lebewesen.
Bergbäche voller Regenbogenforellen und rosafarbenen Kieseln. Klares, kühles
Wasser, das in die Tiefe rauscht. Riesige Eichen und Kiefern, in der Luft der
Duft von Lebenskraft. Reine, frische Luft. Der Schrei eines Falken, so hoch am
Himmel, dass er unsichtbar ist. Ein Reh erscheint und äst, große Ohren
und dunkle Augen lauschen und beobachten aufmerksam.
Als ich dreißig Jahre alt bin – und eine Menge Erfahrungen mit Arbeitgebern
gemacht habe –, komme ich zu dem Schluss, dass mein einziger Chef auf diesem
Planeten die Erde selbst ist. Die Erde schenkt mir ein Zuhause, Nahrung und Kleidung.
Ich spreche mit ihr, stelle ihr Fragen. Und sie antwortet. Manchmal spricht sie
auch mit mir, ohne dass ich sie darum gebeten hätte. Ich tue, was sie mir
sagt. Ihre Führung ist die einzige, der ich folge.
Das Universum hat Himmel und Erde erschaffen, nicht Himmel und Hölle.
Bäume, so hoch wie Gebäude, üppige grüne Blätterdächer.
Affen brüllen und springen durch die Zweige. Schillernde Schmetterlinge,
so groß wie meine Hand. Heiße, feuchte Luft. Blumen und Pflanzen aller
Formen, Farben und Duftrichtungen. Purpurfarbene Frösche, die im Dunkeln
leuchten.
Dörfer und Städte mit Rathausplätzen und Statuen aus lange vergangenen
Tagen. Märkte voller Menschen aus aller Welt, die anpreisen und kaufen, reden
und begutachten. Handgefertigte Kleider und Stoffe. Tische voller Obst und Gemüse.
Lachende, herumrennende Kinder.
Er ist ein solches Wunder, dieser Planet. All diese Schönheit.
Abgesehen von der Erde spreche ich auch zu anderen Geschöpfen: Engeln, Tierhelfern,
Elfen und Naturwesenheiten, Spirits, der Sternenfamilie und spirituellen Lehrern.
Nicht zu vergessen: die Delfine und Wale. Mit all ihnen zu kommunizieren ist mir
mittlerweile zur selbstverständlichen Gewohnheit geworden.
Auch in meiner Kindheit ist all das vollkommen natürlich. Aber da ich in
einem Umfeld aufwachse, in dem mein Verhalten nicht gefördert wird, verliere
ich meine Fähigkeiten für ein Jahrzehnt. Sie kehren erst zurück,
als ich Anfang zwanzig bin. Das ist der Augenblick, in dem das Öffnen –
oder sollte ich sagen: das Wieder-Öffnen – beginnt.
Ich bezeichne diese Ereignisse als »Öffnen«, weil sie genau das
sind: ein Aufmachen für das, was das Auge nicht sehen kann. Ein Sich-Öffnen
für die unsichtbare Welt.
Die sichtbare Welt besteht aus dem, was wir sehen können: Steine, Pflanzen,
Tiere, Menschen und allem, was die Menschen auf der Erde erschaffen haben. Die
unsichtbare Welt ist das, was dahinter fließt und pulsiert, die Seele von
allem. Sie ist der Grund dafür, dass es das Leben, das wir kennen, geben
kann – wir kommen aus ihr, wenn wir geboren werden, und wir kehren in sie
zurück, wenn wir sterben. In der hawaiianischen Huna-Tradition wird
diese Lebenskraft mana genannt, die indischen Yogis bezeichnen diese
Energie als prana. Teil von ihr sind auch viele Geschöpfe und Spirits,
die für uns da sind, um uns zu helfen und auf unserem Weg zu führen.
Das ist schon seit Urzeiten ihre Aufgabe.
Mein erstes Erwachen ereignet sich, während ich zwei Wochen lang einem Auftrag
für die Frauenzeitschrift marie claire in Namibia nachgehe. Ich
betreibe Nachforschungen darüber, wie sich die Beziehung zwischen Weißen
und Farbigen verändert hat, seit das Land 1990 seine Unabhängigkeit
von Südafrika erlangte. Begleitet werde ich von einem Fotografen, der selbst
ein weißer Südafrikaner ist. Während unseres langen Hinflugs erzählt
er mir seine Geschichte: wie er mit achtzehn Jahren in der Armee gegen die namibischen
Freiheitskämpfer ficht. Nach nur kurzer Zeit wird er von einem Blitz getroffen
– und überlebt. Diese Erfahrung erleuchtet ihn buchstäblich. Sie
macht ihm bewusst, was er da eigentlich tut: kämpfen in einem unmenschlichen
Krieg. Ihm wird bewusst, wie verrückt Kriege gleich welcher Art sind. Nach
seiner Genesung zieht er nach Europa, wo er Fotograf und Filmemacher wird.
Wir reisen durch das ganze Land, fahren unendlich viele Meilen, besuchen zahlreiche
Menschen und Orte. Ich bin fasziniert von der Weite des Landes. Manchmal halten
wir mitten im Nirgendwo an. Wir steigen aus dem Wagen, Stille in der Wüste.
In der Ferne ein einsamer, großer Baum – oder ist es eine Giraffe?
Flimmernde Hitze. Das Nichts.
Nach einer Woche vergesse ich, meinen Hut aufzusetzen. Wir befinden uns in einem
Wildreservat und wohnen in luxuriösen Zelten mit Teppichen und Betten. Am
Abend habe ich hohes Fieber: ein schwerer Sonnenstich. Ich erbreche mein Abendessen
und schaffe es mit Hilfe des Fotografen gerade so, wieder in mein Zelt zu kommen.
Er verabreicht mir Elektrolyte und wartet, bis ich genug Flüssigkeit zu mir
genommen habe, ehe er mich die Nacht über allein lässt.
Ich bin im Delirium. Ich höre Geräusche vor dem Zelt, Tiere. Erschöpft
schlafe ich ein.
Zitternd erwache ich. Ich sehe eine Antilope, die in meinem Zelt steht. Ich weiß,
dass sie nicht real sein kann, weil ich sehe, dass die Zeltklappen geschlossen
sind. Trotzdem ist sie da. Ich nehme mein Wasserglas in die Hand, um sicherzugehen,
dass ich nicht träume. Ich träume nicht, ich kann trinken. Ich sehe
die Antilope. Sie starrt mich ganz ruhig an. Sie ist wunderschön. Ich fühle,
wie sich ein warmes, angenehmes Kribbeln in meinem ganzen Körper ausbreitet,
während sie mich beobachtet.
Plötzlich verändert die Antilope ihre Form und verwandelt sich in einen
winzigen alten Mann. Bis auf einen kleinen Lendenschurz ist er nackt. Er sieht
uralt aus und muss mindestens einen Kopf kleiner sein als ich. Er lächelt
freundlich. Dann kommt er zu mir herüber und reibt, massiert und hält
meinen Kopf vorsichtig etwa eine Minute lang. Er geht.
Ich falle in tiefen Schlaf.
Am nächsten Morgen wache ich mit Kopfschmerzen auf. Das Fieber ist weg. Es
ist Mittagszeit, ich gehe ins Esszimmer. Ich treffe den Fotografen. Er ist überrascht,
dass ich schon wieder auf den Beinen bin. Ich erkläre ihm, dass ich mich
gut fühle, und füge scherzhaft hinzu, dass ich geträumt hätte,
von einer Antilope geheilt worden zu sein, die sich in einen kleinen alten Mann
verwandelte. Der Fotograf wirft mir einen eindringlichen Blick zu und bittet mich,
ihm zu erzählen, was passiert ist. »Das klingt so, als hätte dir
ein Geist der Buschmänner geholfen. Oder ein Buschmann«, sagt er.
Er erklärt mir, dass die Buschmänner die Ureinwohner der Länder
im Süden Afrikas seien und in Stammesverbänden in der Wüste leben.
»Sie sind die Einzigen, die hier ohne technologische Hilfe überleben
können. Sie praktizieren ihren eigenen Schamanismus.« Ich habe dieses
Wort noch nie zuvor gehört und sehe den Fotografen fragend an. »Sie
können mit dem Energiefluss der Natur und des Universums heilen«, erläutert
er.
Ich bin fasziniert von der Vorstellung, dass alles eins ist, zusammenhängt.
Dass wir alle Funken desselben Lichts, derselben Quelle sind, der Quelle, die
die Menschen Gott nennen. Dass es Heiler gibt, die die Gestalt von Tieren annehmen
können – so wie sich der Buschmann möglicherweise in eine Antilope
verwandelte und kam, um mir zu helfen, damit ich mich schnell erhole und weitere
Nachforschungen für meinen Artikel betreiben kann.
Ich frage den Fotografen, woher er all das weiß. Er erzählt mir, dass
er etwas Ähnliches erlebt hat, nachdem er vom Blitz getroffen wurde: »Ich
bin überzeugt, dass mir die Buschmänner oder die Geister der Buschmänner
das Leben gerettet haben. Danach fing ich an, mehr über ihre Lebensweise
herauszufinden. Dabei habe ich entdeckt, was wirklich in mir steckt. Ich habe
mein wahres Sein kennengelernt. Weißt du«, er sieht mich unverwandt
an, »du bist mehr als nur dein Aussehen, dein Geschlecht und das Ergebnis
deiner Erziehung. Es geht auch um das, wozu du berufen bist. Um den Grund, aus
dem du hier bist. Um deine einzigartige, einmalige kosmische Blaupause.«
Wir haben nur noch ein paar Tage Zeit und arbeiten weiter an unserem Auftrag.
Eines Tages begegnen wir in einem Restaurant einem Anhalter. Wir nehmen ihn mit
in die nächste größere Stadt, die mehrere Stunden weit entfernt
liegt. Er ist Australier, strahlt vor Zufriedenheit, sieht gut aus und ist etwa
in meinem Alter – ich bin damals dreiundzwanzig. Er erzählt, dass er
gleich nach dem Studium aufgebrochen und seit über einem Jahr auf Reisen
ist. Er will die Welt sehen, ehe er nach Hause zurückkehrt und sich einen
Job sucht.
Ich genieße seine Anwesenheit, sein freundliches und entspanntes Auftreten.
Es ist interessant, mit ihm zu reden und ihm zuzuhören. Ich merke, dass ich
selbst gern eine Rucksackreise um die Welt machen würde.
Nach meiner Rückkehr kriege ich diesen Gedanken nicht mehr aus meinem Kopf.
Obwohl ich einen tollen Job als Redakteurin bei der marie claire habe
und mir eine vielversprechende Karriere winkt, ist das Fernweh stärker. Also
beschließe ich, zu kündigen und es einfach zu wagen: eine Reise mit
einem Rucksack um die Welt. Ich war immer eine gute Schülerin, fing mit siebzehn
an zu studieren, habe magna cum laude als Zweitbeste in einem Jahrgang
von fünfhundert Studenten graduiert, war Chefredakteurin der Universitätszeitung.
Ich bin überzeugt, dass ich wieder einen Job finden werde, wenn ich von meiner
Weltreise zurückkehre.
Sechs Monate später habe ich so viel Geld gespart, dass es für ein Jahr
reichen müsste, wenn ich mit Backpacker-Budget reise. Ich verkaufe fast alles,
was ich besitze, und kündige alle meine Versicherungen, sogar meine Krankenversicherung.
Ich will frei wie ein Vogel sein und einfach eine Weile lang durchs Leben fliegen.
Ohne Verantwortung, ohne Bedingungen.
Ich beschließe, in Asien anzufangen, im Himalajagebirge. Von da aus werde
ich um die ganze Welt reisen. Mein erster Stopp ist also Bhutan, wo mein zweites
Öffnen passiert.
KAPITEL 8: WALE UND DELFINE
Meine erste Begegnung mit Delfinen findet in Florida statt, als ich ein Teenager
bin. Wir besuchen dort Freunde meiner Eltern. Sie besitzen ein kleines Segelboot.
Eines Nachmittags, als wir aufs Meer gesegelt sind, tauchen plötzlich aus
dem Nichts einige Delfine auf. Ich bin glücklich. Man kann nicht anders,
als Delfine zu lieben. Sie bringen jeden zum Lächeln.
Die Delfine bleiben eine Weile lang bei uns und schwimmen neben uns her. Sie sind
so nahe, dass ich ihr Schnattern und Pfeifen hören kann, ihr kräftiges
Ausatmen und wie das Wasser aus ihren Blaslöchern spritzt. In ihren Augen
erkenne ich die Intelligenz, mit der sie uns mustern, genauso wie bei uns Menschen.
Das erstaunt mich am allermeisten. Sie nehmen uns regelrecht unter die Lupe.
Ich könnte den Arm ausstrecken und sie mit meiner Hand berühren. Aber
ich tue es nicht, ich spüre, dass das ein Übergriff wäre. Dass
ich sie nur berühren darf, wenn sie den ersten Schritt tun. Am liebsten würde
ich ins Wasser springen und wie in der Fernsehserie Flipper mit ihnen
schwimmen, aber nie im Leben wäre ich darauf gekommen, dass ich das tatsächlich
tun könnte.
Sechs Jahre später bin ich auf dem Heimweg von meiner einjährigen Rucksackreise
um die Welt. Mein letzter Halt sind die Kanarischen Inseln vor der nordafrikanischen
Küste. Ich werde dort zum ersten Mal mit Delfinen schwimmen. In Indien und
Thailand habe ich sie mehrfach gesehen, auf Bali bin ich sogar einem Buckelwal
begegnet. Jedes Mal spüre ich, dass ich ihnen näher komme, sowohl energetisch
als auch körperlich.
Dann höre ich jemanden erzählen, dass es wahrhaftig möglich ist,
in freier Natur mit ihnen zu schwimmen. Ich weiß, dass ich bereit bin. Die
Delfine haben sich mir auch in meinen Träumen regelmäßig gezeigt:
Ich bin umgeben von einem oder mehreren Delfinen; gemeinsam schwimmen und gleiten
wir dahin. Die Träume sind immer wunderschön, voller Liebe. Ich erwache
daraus mit einem Gefühl der Erfülltheit und Glückseligkeit.
Mittlerweile habe ich das universelle Gesetz der Anziehung kennengelernt. Dass
Ereignisse zu einem kommen, wenn man sie einlädt und offen für sie ist.
Wissenschaftlich wird dieses Phänomen als Resonanz bezeichnet, als die verschiedenen
Dingen oder Menschen innewohnende Fähigkeit, in Harmonie miteinander zu schwingen
und einander anzuziehen.
Ich werde der Person begegnen, die mir zeigen kann, wie man mit den Delfinen schwimmt.
Ich will nicht mit in Gefangenschaft lebenden Delfinen schwimmen – sie sollen
frei sein und zu mir kommen, weil sie es wirklich möchten.
Es dauert nicht lange, bis ich in Thailand eine Frau treffe, die mir den entscheidenden
Impuls gibt. Sie erzählt mir von einer schamanischen Heilerin, die es Menschen
ermöglicht, mit Delfinen zu schwimmen. Ich weiß instinktiv, dass sie
genau die Richtige ist. Sie wird für mich zu einer wichtigen Lehrerin.
Wir verlassen die Küste an diesem ersten Morgen in einem kleinen Gummi-Dingi
mit Außenbordmotor: Sali, ihr Kapitän, eine Frau mit ihren beiden Söhnen
und ich. Ehe wir aufbrechen, spricht Sali ein Gebet zum Meer und bittet um Erlaubnis,
dass wir das Meer und die Delfine in ihrem Zuhause, ihrem Lebensraum besuchen
dürfen. Ihre respektvolle Art berührt mich. Wir singen ein Lied –
sie sagt, dass die Delfine Musik lieben.
Sali erklärt uns, dass wir nicht enttäuscht sein sollen, wenn die Delfine
nicht kommen, dass wir nicht zu viel erwarten sollen – man weiß nie,
was passiert, schließlich sind sie wild und frei. Wir sollen einfach nur
den Augenblick genießen. Also tue ich genau das. Doch tief in mir spüre
ich, dass sie kommen werden.
Meine Intuition trügt mich nicht. Nur eine halbe Stunde später treffen
wir auf eine große Gruppe von Delfinen, es sind mindestens hundert. Sie
erscheinen aus dem Nichts; plötzlich sind sie da. Dieses Phänomen ist
typisch für Delfine und etwas ganz Besonderes. Oft scheint es so, als ob
sie aus dem Nichts auftauchen, sich materialisieren.
Wir sind umgeben von wunderschönen Delfinen; mehrere Schulen kommen hier
zusammen, erklärt Sali, sie spielen gern zusammen. Und wie sie spielen! Wir
beobachten sie dabei, wie sie in Pirouetten umeinander herumschwimmen und sich
aneinander reiben, springen, plantschen, einander jagen. Mein Herz springt vor
Freude.
Sali sagt uns, dass wir uns bereit machen sollen, um ins Wasser zu gehen. Vorsichtig
gleite ich in den Ozean, versuche, nicht zu laut zu platschen, genauso, wie Sali
es uns vorher erklärt hat. Mein Herz klopft, ich schaue mich durch meine
Maske hindurch um. Ich sehe sie! Sie sind unter mir, neben, vor mir. Überall!
So fließend, so multidimensional. Ich fühle mich, als wäre ich
wieder mit meiner Sternenfamilie zusammen – plötzlich ist da ein Erinnerungsblitz,
ein Wiedererkennen.
Ein Delfin schwimmt schnell zu mir herauf. Wenn ich nicht wüsste, dass sie
sanftmütige Geschöpfe sind, würde ich erwarten, dass er gleich
mit mir zusammenprallt. Unmittelbar vor mir hält er an. Nur ein klein wenig
näher, und er würde mich berühren. Ich fühle sein Energiefeld
und spüre, dass es sich um ein Männchen handelt, weil er sehr lang ist,
einer der Größten, die ich erblicken kann. Ich bemerke, dass er mir
in die Augen sieht – wie auf dem Segelboot in Florida bei meiner ersten
Begegnung mit einem Delfin. Eine Sekunde später schwimmt er davon.
Sali hatte uns vorher gesagt, dass wir der Versuchung widerstehen sollten, hinter
den Delfinen herzuschwimmen. Stattdessen sollten wir warten. Sie würden zu
uns zurückkommen. Wie das Ein- und Ausatmen, wie Wellen, die heran- und wieder
davonrollen, wie der Rhythmus in Freundschaften und Beziehungen, in dem man Zeit
miteinander, allein und dann wieder miteinander verbringt. Auch die Delfine haben
diesen Rhythmus. Der große Delfin dreht sich um und kommt tatsächlich
zurück. Nur, um ein paar Sekunden später wieder davonzuschwimmen. Ich
blicke mich um, um herauszufinden, ob da noch weitere Delfine sind. Ich sehe die
anderen Leute vom Boot im Wasser. Dann, so schnell wie sie gekommen sind, verschwinden
die Delfine wieder, schwimmen in die Tiefe, aus unserem Sichtfeld.
Als wir uns auf dem Boot abtrocknen, erklärt uns Sali, dass dies eine sehr
kraftvolle Begegnung war, weil so viele Delfine gekommen sind. Wenn sich so viele
versammeln, sagt sie, handelt es sich um eine Initiation. Da jeder Delfin seinen
eigenen Echoloten mit Frequenzen aufweist, deren Stärke vergleichbar mit
der von medizinischen Ultraschallgeräten ist, durchdringen sie uns buchstäblich
bis tief in unsere Zellkerne. Sie öffnen uns förmlich, indem sie unsere
DNS-Struktur aktivieren. Und je mehr Delfine anwesend sind, desto stärker
ist das Feld.
Sali macht dem Meer eine Darbringung aus Kräutern, um Mutter Ozean und den
Delfinen zu danken. Wir singen ein Lied für den Ozean.
Wir fahren weiter. Ich sitze ruhig da, wie die anderen, und blicke auf das Meer
hinaus. Keinem von uns ist nach reden zumute – so wertvoll war diese Erfahrung.
Sie hallt in meinen Zellen wider.
Etwa eine Stunde später sehen wir in der Nähe unseres Bootes erneut
Finnen aus dem Wasser ragen. Aber dieses Mal sind sie viel größer.
»Grindwale«, sagt Sali. Obwohl viele Menschen sie für Wale halten,
sind Grindwale eigentlich sehr große Delfine. Diesmal ist es eine kleine
Gruppe, vielleicht ein halbes Dutzend. Ihre Haut ist dunkelgrau. Sie haben schwere,
plumpe Körper etwa von der Größe eines Großtransporters.
Sie bewegen sich langsam.
Sali holt ein paar kleine Glocken hervor und läutet sie nahe an der Wasseroberfläche.
Die Grindwale scheinen das zu mögen, denn sie kommen sehr nahe ans Boot heran.
Sali gibt uns durch ein Nicken zu verstehen, dass wir wieder ins Wasser steigen
sollen, aber die Frau schüttelt den Kopf, ihr Gesicht ist grünlich.
Sie sieht aus, als wäre sie seekrank. Die Jungen, beide Teenager, und ich
bereiten uns vor. Eine Minute später sind wir im Wasser.
Die Grindwale sind direkt neben uns. Erst jetzt wird mir klar, wie groß
sie sind. Ich bin nicht nervös, aber ich bemerke, dass die Jungen wieder
ins Boot klettern. Ich sehe Sali an, und sie bedeutet mir durch ein Nicken, dass
ich allein im Wasser sicher bin. Ich vertraue diesen sanftmütigen Riesen.
Ich liege im Wasser, blicke durch meine Maske und atme durch meinen Schnorchel,
schwimme sehr langsam vorwärts. Ein Grindwal schwimmt zu meiner Linken neben
mir her, ein anderer begleitet mich zu meiner Rechten. Wenn ich meine Arme ausstrecken
würde, könnte ich sie berühren; so nahe sind sie mir. Aber wieder
spüre ich, dass das ein Übergriff wäre, und widerstehe. Sie sind
so groß, aber anstatt ihre Größe zu fürchten, fühle
ich mich mit den beiden Grindwalen an meiner Seite gepolstert, geschützt
und sicher.
Dann taucht direkt unter mir ein dritter Grindwal auf, nur ein paar Fuß
weiter unten. Ich spüre, dass es ein Weibchen ist. Es dreht mir seinen Bauch
zu. Ehrfurcht erfüllt mich. Je ein Grindwal zu meiner Linken und Rechten,
einer unter mir, der auf dem Rücken schwimmt – ich bin in tiefster
Trance. So schwimmen wir vier eine ganze Weile lang, bilden eine Art Einheit.
Ich spüre Energie in mich fließen, fühle, wie sich mein Körper
und meine Zellen unermesslich weit öffnen. Die Grindwale kommunizieren mit
mir. Ich bezeichne diesen Prozess als »Downloaden«. Er spielt sich
ohne Worte ab, doch eine große Menge an Informationen wird in mich hineintransportiert.
Sie fühlen sich wunderbar an, sehr alt und voller Weisheit.
Ich fange an zu zittern, und mir wird klar, dass ich bereits sehr lange im Wasser
gewesen sein muss. Auch Sali muss das spüren, denn ich höre, gedämpft
durch das Wasser, ihre Stimme. Im Rausch des Augenblicks kann man leicht vergessen,
dass der Körper im Wasser stark auskühlt. Ich schwimme zurück zum
Boot und klettere hinein. Ich zittere. Ich wickle mich in mein Handtuch und esse
Obst und ein paar Nüsse, die mir Sali in die Hand drückt.
Ich blicke aufs Wasser hinaus; die Wale sind noch immer da. Sie bleiben noch etwa
eine halbe Stunde bei uns, genau neben unserem Boot, so als ob sie mir zurufen
würden, ich solle wieder zu ihnen kommen. Aber mir ist zu kalt, ich habe
noch keinen Neoprenanzug. Ich beobachte die Grindwale, spüre ihre Energie.
»Sie mögen dich sehr«, teilt Sali mir mit. »Das ist etwas
ganz Besonderes.« Auch ich spüre die Besonderheit dieses Ereignisses.
Es ist die Art von Erlebnis, die man nur wenige Male in seinem Leben hat. Wenn
man sie erkennt und nicht rationalisiert oder herunterspielt, verschieben sie
die ganze Realität, die Perspektive, aus der man das Leben betrachtet, und
das Gefühl dafür, wer man wirklich ist. Was die eigene Lebensaufgabe
ist und wofür man in diesem Leben auf diesen Planeten gekommen ist.
Jetzt bin ich mir absolut sicher, dass mein Leben immer mit Walen und Delfinen
verknüpft sein wird. Ich begreife etwas, das ich zuvor oft gespürt habe,
aber niemals wirklich glauben konnte, weil es so wunderbar und schön ist.
Die Delfine und Wale sind ein Teil meiner Familie. »Ja, es ist wahr«,
spüre ich sie sagen, »du bist mit uns verbunden, du hast gemeinsam
mit uns einige Aufgaben zu erledigen. Wir werden dir helfen, dich selbst zu heilen,
und du wirst anderen helfen, durch uns zu heilen.«
Die Zeit ist schnell vergangen, wir müssen jetzt zu unserem Hafen an der
Küste zurückkehren. Wir singen den Walen unser Lebewohl und danken ihnen.
Sie verschwinden, verstehen unsere Botschaft.
Einige Minuten, nachdem sie uns verlassen haben, beginnt die Frau auf dem Boot,
sich zu übergeben, obwohl die See ruhig ist. Zuckungen schütteln ihren
ganzen Körper durch, obwohl sie nichts mehr im Magen hat. Ich spüre,
dass ihr Zustand etwas mit den Walen zu tun hat. Als ich Sali später danach
frage, bestätigt sie meinen Verdacht. »Die Frequenzen, die die Wale
von sich geben, durchdringen unser Gewebe und unsere Zellen bis in die Tiefe und
spülen so alles aus uns heraus. Sie öffnen und reinigen uns.«
Die Frau auf dem Boot hat sich gerade von dem Vater ihrer Söhne scheiden
lassen. Sie musste all den Schmerz, die Trauer, die Wut und alle anderen Gefühle,
die die Trennung in ihr ausgelöst hat, erbrechen. Sich entschlacken, von
innen reinigen und schließlich loslassen.
In all den Jahren, die ich nun schon mit Walen und Delfinen arbeiten darf, habe
ich oft beobachtet, dass die Menschen ihr Herz öffnen, weil die Delfine und
Wale diese besondere Fähigkeit haben, zu heilen. In dem Moment, in dem sie
ihr Herz öffnen, kommen all die unterdrückten Gefühle hoch, die
das Herz davon abhalten, das zu sein, was es eigentlich ist: aufrichtige und pulsierende
Liebesenergie. Auch ich weine oft, wenn ich mit den Walen und Delfinen schwimme.
Es ist die Art von Weinen, die sich einfach nur wunderbar anfühlt. Herz und
Seele erwachen wieder zum Leben, füllen sich mit Liebe.
Ich bin dankbar, dass es mir erlaubt ist, mit den Walen und Delfinen zu arbeiten.
Ich spreche bewusst davon, dass es mir »gestattet« ist, denn es ist
auch ihre Entscheidung. Sie sind lebendige Wesen, möglicherweise viel intelligenter
als wir Menschen. Ich betrachte es als Ehre. Dasselbe gilt auch für meine
Arbeit mit Engeln und Geisthelfern: Ich bin dankbar, dass es mir »erlaubt«
ist, sie auszuführen.
An diesem Abend träume ich von den Grindwalen. Sie sind in der Bucht
vor meinem Fenster und singen ihr Lied. Sie rufen meinen Namen, erzählen
mir, wie glücklich sie sind, dass ich gekommen bin. Mit ein paar Unterbrechungen
träume ich die ganze Nacht über von ihnen. Dazwischen wache ich auf,
liege im Bett und lausche dem Wellenrauschen.
Am nächsten Morgen erzählt mir Sali, dass die Delfine und Wale die ganze
Nacht über in der Bucht waren.
Ich bin heimgekehrt zu meiner Familie.