Aus: Jonathan Goldman & Andi Goldman
»TANTRA DES KLANGS«
Inhalt
Einleitung
Vorwort zur Neuausgabe
Teil Eins – Grundlagen
1 Was ist das Tantra des Klangs?
2 Zu Anfang: Die Kraft des Klangs
3 Der schwingende Körper
4 Die Macht der Intention
Teil Zwei – Grundlegende Übungen
5 Atem und Tönen
6 Die heiligen Vokale
7 Die Bija-Mantras
Teil Drei – Übungen mit einem Partner
8 Das allumfassende Ziel
9 Vokalklänge mit einem Partner tönen
10 Bijas gemeinsam mit einem Partner tönen
Teil Vier – Andere Anwendungen
11 Tönen bei Gefühlsturbulenzen
12 Obertöne und andere Klänge
13 Wie man Musik und unterschiedliche Töne einsetzt
14 Zu guter Letzt
Einige wichtige Schlussbemerkungen
Anhänge
Anhang A: Das Handwerkszeug
Anhang B: Der deutsche Text der Übungs-CD
Anhang C: Buch- und Musikempfehlungen
Widmung
Über die Autoren
Verzeichnis der Illustrationen
Stichwortverzeichnis
EINLEITUNG
Herzlich willkommen zu Tantra des Klangs! Sie begeben sich nun auf
eine spannende Reise und erfahren, wie Sie sich der Kraft des Klangs als Werkzeug
bedienen können, um mehr aus Ihrem Leben zu machen. Diese Reise wird Ihnen
nicht nur die Tür zu größerer Vertrautheit mit sich selbst öffnen,
sondern auch eine größere Nähe zu Ihrem Partner – ob es
sich nun um Ihren Liebhaber, Freund oder Ehepartner handelt – und zu anderen
Menschen bewirken.
Tantra wird in unserer westlichen Kultur meistens mit Sex in Verbindung gebracht,
aber Sie werden feststellen, dass Tantra des Klangs eher den Klang
als Mittel zum Selbstgewahrsein erforscht. Dadurch können Sie einen neuen
und aufregenden Weg entdecken, um Ihr Bewusstsein zu erhöhen und sämtliche
Lebensbereiche aufzuwerten.
Als Paar haben wir in unseren Seminaren und Workshops das Wissen und die Übungen,
die wir hier vor Ihnen ausbreiten, bereits bei Tausenden von Teilnehmern erfolgreich
angewendet. In Tantra des Klangs ist alles wahr und funktioniert. Es
geht um einfache und doch wirkungsvolle Kenntnisse und Techniken, die Ihr Leben
verändern können. Der Klang kann ein erstaunlicher Lehrmeister sein,
der Ihnen zeigt, wie Sie Bewusstseinszustände erreichen, die für den
Nichteingeweihten normalerweise unerreichbar wären. Über den Klang
ist es möglich, heil und ganz zu werden und sein Bewusstsein für das
Tantra zu wecken – für das »Netz des Lebens«, das alles
miteinander verbindet. Darin besteht die Kraft von Tantra des Klangs,
und deshalb haben wir dieses Buch für Sie geschrieben.
Klang vermag Körper und Geist, Seele und Emotionen zu heilen. Durch diese
Verbindung zwischen dem Klang und dem eigenen Selbst lässt sich ein beliebiger
persönlicher Aspekt in Balance und Harmonie bringen, was sich wiederum
auf alle anderen Aspekte unseres Wesens auswirkt. Mit dieser Klangresonanz können
wir ebenso unser inneres Selbst heilen wie auch Harmonie in unsere Beziehungen
bringen. Hat sich diese neue kraftvolle Selbsterkenntnis erst einmal entfaltet,
beginnen wir, das Leben neu wahrzunehmen. Wir öffnen uns dann für
die Möglichkeiten, die der menschlichen Erfahrung innewohnen.
Tantra des Klangs beruht auf zusammen mehr als vierzig Jahren Erfahrung
im Bereich Klang, Gesundheit und Bewusstsein. Unseres Wissens nach wurden die
hier dargelegten Kenntnisse und Techniken noch nie von jemandem auf diese Art
und Weise vorgestellt. Unser einzigartiger und nachhaltiger Denkansatz, über
Klangarbeit Innigkeit und Paarbeziehung zu fördern, ist neuartig und innovativ.
Außerdem ist er ungewöhnlich effektiv.
Eines der wichtigsten Ziele dieses Buches besteht darin, dass Einzelne oder
Paare ein Mittel an die Hand bekommen, Beziehungen zu intensivieren, ein tieferes
Verständnis von sich selbst zu erlangen und mehr Liebe im Leben entstehen
zu lassen. Anhand der wirkungsvollen Übungen und Techniken, die in diesem
Buch vorgestellt werden, erfahren Sie, wie Sie Körper, Geist und Seele
durch Klang aufeinander abstimmen und in Schwingung versetzen können. Wenn
dieser harmonische Zustand eintritt, ist alles möglich. Dazu gehören
ein besseres Gleichgewicht in körperlicher, emotionaler, mentaler und seelisch-geistiger
Hinsicht sowie eine bessere Bindungsfähigkeit. All dies wird Ihr Leben
verändern.
Tantra des Klangs ist in vier Abschnitte gegliedert. Der erste Teil
befasst sich schwerpunktmäßig mit den Grundlagen, die man
beim Tantra sowie beim Klang antrifft. Wir beantworten Fragen wie: »Was
ist Tantra?« und »Wie kann Klang zur tantrischen Erfahrung beitragen?«.
Sie werden Tantra als ein Netz kennenlernen, das die ganze Wirklichkeit in sich
trägt, und erfahren, dass Klang die grundlegende Schwingungsenergie überhaupt
ist. Sie werden entdecken, wie uns der Klang austauschen und verwandeln kann.
Sie werden auch lernen, wie sich diese Energie allein oder als Paar nutzen lässt,
damit Sie sich wohler fühlen und mehr Nähe zu sich und anderen verspüren.
Wir werden die Schwingungsaspekte untersuchen – dazu gehören Resonanz,
Absicht oder Intention, Entrainment, Visualisierung und weitere faszinierende
Seiten des Klangs und Bewusstseins.
Im zweiten Teil des Buches befassen wir uns mit Grundlegenden Übungen,
bei denen wir Klang für eine tiefere Innigkeit einsetzen, indem wir
die Energiezentren (Chakras) ausgleichen. Es geht darin um Ihre Atmung und das
Tönen mit der eigenen Stimme. Sie lernen Übungen kennen, die mit heiligen
Vokalklängen und Mantras arbeiten, auf Ihr Nervensystem und die Chakras
einwirken und diese einander angleichen. Sie beginnen, die Kraft Ihrer eigenen
Resonanz zu erleben, während Sie die innersten Aspekte Ihres Selbst mit
Hilfe der Klangwirkung erkunden. So schaffen Sie eine Basis für Ihr Selbstvertrauen,
um später mit einem Partner tantrische Klangübungen auszuprobieren.
Der dritte Teil des Buches handelt vom Klang als Werkzeug, das Ihnen ermöglicht,
gegenseitig Energien auszutauschen. Der Abschnitt Übungen mit einem
Partner lässt Sie gemeinsam bestimmte Klangübungen erfahren,
die Ihre Beziehung zueinander festigen. Sie werden sich auch wichtige Fragen
stellen, die darauf abzielen, was es Ihnen eigentlich bringt, mit einem Partner
zu »tönen«. Außerdem werden Sie tiefgreifende und wirksame
Techniken kennenlernen, die Sie mit einem Partner anwenden können und die
besonders förderlich und stabilisierend auf sämtliche Aspekte Ihrer
Beziehung wirken.
Der vierte Teil Andere Anwendungen untersucht weitere Möglichkeiten
des Klangs und Einsatzgebiete, auf denen Sie ihn nutzen können, um Ihr
Leben zu bereichern. Wir machen Sie mit neuen Klängen und deren Anwendungen
vertraut, die Ihnen helfen, ein glücklicheres und gesünderes Selbst
hervorzubringen. Musik kann verschiedene Bewusstseinszustände herbeiführen
und Ihre Lebenserfahrungen intensivieren. Wir untersuchen Möglichkeiten,
mit denen sich durch Klang das Wohlbefinden noch mehr steigern lässt.
In den Anhängen A bis C erhalten Sie zusätzliche Informationen über
Klangwerkzeuge wie Stimmgabeln und Kristallklangschalen, und wir empfehlen Ihnen
CDs und Bücher. Außerdem finden Sie dort eine deutsche Übersetzung
der englisch gesprochenen Texte auf der beiliegenden CD sowie weitere Hinweise
zum Thema Klang.
Sich wahrhaft selbst erfahren zu wollen, bedeutet, danach zu streben, einen
Blick auf das Göttliche zu erhaschen. Wir haben unsere Verbindung verloren
und wissen nicht mehr, wer oder was wir eigentlich sind. Aus diesem Grund empfinden
viele Menschen ihr Leben als sinnlos. Klang ist einer der wichtigsten Schlüssel,
um dieses Wissen von uns selbst neu zu entdecken. Über den Klang können
wir uns wieder anbinden, stärken und unserem Leben neuen Schwung verleihen.
Klang regt zu Wechsel und Veränderung an. Das Wissen vom Klang kann praktisch
jede Aktivität verbessern. Es kann Ihr Leben auf den Kopf stellen.
Tantra des Klangs enthält Kapitel, die es Ihnen ermöglichen,
allein oder zusammen mit einem Partner Klangübungen zu erfahren. Stellen
Sie sich vor, Sie wären deprimiert und hätten nur noch wenig Energie
und keinen Elan mehr. Ihre Lebensfreude scheint erloschen zu sein. Dann beginnen
sie, mit Klang zu arbeiten, und auf einmal schwindet Ihre Depression und die
Lebensenergie kehrt zurück. Vielleicht befinden Sie sich in einer Partnerschaft
und fühlen mittlerweile keine Verbundenheit mehr und auch keinen Hauch
von Romantik. Womöglich stecken Sie mitten in einer dieser guten alten
emotionalen Kämpfe, und Sie stehen beide kurz davor, einen Schlussstrich
unter Ihre Beziehung zu setzen. Was wäre, wenn Sie nun gemeinsam tönen
könnten und sich binnen Kurzem in einem Raum befänden, in dem Sie
wieder miteinander reden und sich vielleicht sogar darauf einlassen, mit der
Liebe zu schwingen, die Sie eigentlich füreinander empfinden? Wie wäre
es, wenn Sie dann herausfänden, dass Sie jeden Tag nur kurz mit Klang zu
arbeiten brauchten und damit viele verschiedene Themen bereinigen könnten,
um ein glückliches und ausgeglichenes Leben zu führen?
Wir wissen, dass man dies und noch vieles mehr durch Tantra des Klangs
erreichen kann. Wenn Sie lernen, Klang auf innige und achtsame Weise einzusetzen,
sind Sie imstande, alle möglichen und ungewöhnlichen Erkenntnisse
über sich, Ihre Beziehung und Ihr Leben zu gewinnen. Für uns ist Klang
wundervoll lehrreich, denn er hat uns geholfen, miteinander in liebevoller Resonanz
zu sein, und wir sind uns sicher, dass er auch Ihnen helfen kann.
Tantra des Klangs ist aus einem Akt der Liebe entstanden – nicht
nur füreinander, sondern auch für unsere Erde. Wir hoffen, dass es
das Beste von unseren Talenten, Fähigkeiten und Begabungen vereint. Letztlich
resultiert die Liebe, die wir uns und damit Ihnen, liebe Leser, geben können,
unmittelbar aus der Liebe, die wir voneinander empfangen.
Bevor wir zu dieser außergewöhnlichen Reise zu Klang und innerer
Vertrautheit aufbrechen, möchten wir Ihnen schon jetzt dafür danken,
dass Sie uns begleiten und an unserer Reise teilhaben. Wir sind sicher, dass
sie Ihr Leben verändern wird.
Wir senden Ihnen auf dieser Reise über den Klang viele Segnungen des Lichts
und der Liebe!
KAPITEL EINS: WAS IST DAS TANTRA DES KLANGS?
Tantra – allein das Wort beschwört schon erregende Bilder weihrauchgeschwängerter
Räume herauf, in denen sich zuckende Leiber bewegen, die je nach Stadium
von Orgasmus und Ekstase unterschiedlich stark vibrieren. Sucht man im Internet
nach dem Begriff »Tantra«, wird man auf mehr als eineinhalb Millionen
Websites zu diesem Thema fündig. Bei fast allen Seiten liegt der Schwerpunkt
auf Sex. Sex ist ein Riesenthema – »Sex sells!« –, und
für viele Menschen sind Sex und Tantra ein und dasselbe. Das stimmt aber
einfach nicht.
Heutzutage besteht hinsichtlich des Begriffs »Tantra« eine große
Verwirrung, und das ist nur zu verständlich. Je nach Kultur, Tradition,
Sichtweise, Lehrer und Bewusstseinsebene hat Tantra für die Menschen die
unterschiedlichsten Bedeutungen. Bei unserer Recherche für dieses Buch
haben wir ganz verschiedene Quellen eingesehen und waren von der Menge der Begriffsbedeutungen
und der Vielfalt der dahinterstehenden Lehren überrascht.
Hier im Westen erstaunt es kaum, dass Tantra fast immer mit Sex und Sex-Yoga
gleichgesetzt wird, denn es wurde von den jeweiligen Richtungen und Lehrern
aus der Hindu-Tradition übernommen. Andererseits hat Tantra in der buddhistischen
Tradition und insbesondere im tibetischen Buddhismus mit Sex überhaupt
nichts zu tun – zumindest nicht mit dem körperlichen Aspekt sexueller
Beziehungen.
Wie bereits erwähnt, wirft die Suchmaschine im Internet zum Begriff »Tantra«
mehr als eineinhalb Millionen Websites aus, die sich mit Aspekten des Tantra
befassen und vorwiegend auf Sex ausgerichtet sind. Von unseren Treffern befassten
sich etwa neunzig bis fünfundneunzig Prozent der Seiten mit dem Thema Sex
und priesen alle erdenklichen Hilfs- und Ersatzmittelchen an. Häufig gaben
sie auch Techniken zur Steigerung der Potenz an. Die meisten Seiten waren nicht
besonders sensibel in der Wortwahl.
Wir stießen bei unserer Recherche aber auch auf Quellen, die anscheinend
zu den echten tantrischen Traditionen gehörten, und fast alle legten Wert
darauf, dass Tantra ganz im Gegensatz zur westlichen Sichtweise nur wenig oder
gar nichts mit Sex zu tun hat. Vielmehr taucht oft der Begriff »Neo-Tantra«
auf, sobald Autoritäten aus dem traditionellen Tantra über diese neuere
westliche Wahrnehmung von Tantra als Sex sprechen. Für sie bedeutet das
eine Verfälschung des wahren Tantra. Aber was steckt dann dahinter?
DIE BEDEUTUNG VON TANTRA
Das Wort Tantra entstammt dem Sanskrit, der alten Sprache der Hindu-Tradition.
Genau wie bei anderen heiligen Sprachen, etwa Hebräisch oder Tibetisch,
gibt es auch hier bei der Übersetzung eines Begriffs in der Regel nicht
nur eine Bedeutung. Häufig wird Tantra als »Kontinuum« oder
»ungebrochener Strom« aufgefasst, womit ein Bewusstseinsstrom gemeint
ist, der von der Unwissenheit bis zur Erleuchtung reicht. Der Begriff wird auch
mit »Verwobenes«, »Netz« oder »Kettfaden«
(engl. warp) gleichgesetzt und umfasst alles, was ist. Tantra steht
damit für die Verknüpfungsenergien zwischen sämtlichen Dingen
auf dieser und anderen Daseinsebenen. Weitere Begriffe, die Tantra umschreiben,
sind: Leitprinzip, wesentlicher Bestandteil, Vorbild, System, Gewebe, Doktrin,
Regel, Theorie, wissenschaftliche Arbeit, Befehl, Hauptteil, Autorität,
Wissenschaft, mystisches Wirken, magische Formeln, Werkzeug, Mittel, Strategem
und Medizin.
Die Etymologie von Tantra weist auf die Kombination zweier Worte hin, nämlich
tattva und mantra. Tattva ist die Wissenschaft der kosmischen
Gesetze, während Mantra sich auf die Wissenschaft der mystischen Klänge
und Schwingungen bezieht. In der Tradition des tibetischen Buddhismus wird Tantra
manchmal auch »Geheimes Mantra« genannt. Das soll es vielleicht
von den westlichen Vorstellungen des Neo-Tantra unterscheiden. Hier eine Definition
des »Geheimen Mantras« aus tibetisch-buddhistischer Sicht: »Geheim«
weist darauf hin, dass man diese Methoden ganz für sich praktizieren sollte.
»Mantra« bedeutet »Schutz für den Geist«, wozu
häufig heilige Klänge eingesetzt werden. Das Geheime Mantra hat zum
Ziel, mit Hilfe des Klangs rasch die Stufen des spirituellen Weges zu erklimmen,
indem wir unseren Geist vor den gewöhnlichen Sinneswahrnehmungen abschirmen.
So besteht denn auch eine der höchsten Stufen der tantrischen Praxis darin,
sich durch Klang in Schwingung und auf diese Weise in Harmonie zu bringen. Das
soll unsere physischen, mentalen, emotionalen und seelisch-geistigen Qualitäten
steigern und aktivieren. Die Tantras des Hinduismus und des tibetischen Buddhismus
betonen beide die Macht des Klangs. Klang ist tatsächlich die wesentliche
Grundlage des Tantra: Der Tantriker kann Körper, Geist und Seele harmonisieren,
indem er erweiterte Klangtechniken anwendet.
Auf den Grundgedanken von Tantra des Klangs kamen wir, als wir mehrere
Klangübungen aus östlichen Traditionen untersuchten. Bei unserer jahrelangen
Klangarbeit entdeckten wir schließlich einfache Methoden, mit denen sich
die von den östlichen Mystikern beschriebene harmonisierende Wirkung erzielen
lässt. Diese gewünschte Harmonie und Ausgeglichenheit von Körper,
Geist und Seele können unsere Leser sicherlich gut erreichen, wenn sie
die in diesem Buch beschriebenen Techniken und Übungen anwenden.
Unser größtes Anliegen, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte
Buch zieht, besteht darin, Sie, liebe Leser, darin zu unterstützen, einen
Zustand des tieferen Bewusstseins und Gewahrseins zu erlangen – zuerst
bei sich und dann, wenn gewünscht, auch gemeinsam mit Ihrem Partner. In
ihrer evolutionären Entwicklung befindet sich die Menschheit derzeit an
einem Scheideweg. Der eine Weg führt zu einer erstaunlichen neuen Welt
voller Hoffnungen und Chancen, die von Liebe, Mitgefühl, Fürsorge
und Güte geprägt ist, der andere führt nicht dorthin. Der erste
Weg bietet uns also das Potenzial, zu dem wahren und außergewöhnlichen
Menschen zu werden, den so viele Mystiker und spirituelle Lehrer im Laufe der
Zeit vorausgesagt haben. Damit uns das aber gelingt, müssen wir Harmonie
und Ausgeglichenheit in unserem Innern und schließlich auch gegenüber
anderen erreichen. Wir müssen dazu bereit sein, durch das Fenster unserer
Seele zu schauen, und anerkennen, wer und was wir sind, und dann unsere Zustimmung
geben, dieses Wesen zu lieben und zu ehren.
An diesem Scheideweg – zu einer Zeit, für die verschiedene spirituelle
Traditionen von den Maya bis zu den Christen eine große Veränderung
prophezeit haben – stellen wir fest, dass andere Lebensvorstellungen oder
Archetypen (Urformen) entstehen müssen. Das gegenwärtige Paradigma,
das wir in unserer Psyche beherbergten und über Jahrtausende hinweg in
der physischen Welt manifestierten, hat Krieg und Leiden ausgelöst. Aus
unserer Sicht gibt es die Möglichkeit, ein anderes Weltbild zu wählen,
das auf Harmonie, Gleichgewicht, Gemeinsinn und Mitgefühl gründet.
Es ist in den verschiedenen Mythen, Legenden und spirituellen Schriften der
Erde angelegt und steht gleichermaßen für Stärke und Güte.
Um freundlich zu sein, muss man nicht schwach sein – aber momentan verwechseln
wir diese beiden Eigenschaften noch und setzen sie miteinander gleich.
Das in diesem Buch vorgestellte Modell befindet sich im Gleichgewicht und ist
auf die harmonische Abstimmung der männlichen und weiblichen Energien in
jedem Menschen ausgerichtet. Werden diese Energien verinnerlicht, dann entsteht
eine gleichrangige Beziehung zum eigenen Ich und zu den Mitmenschen. Bei dieser
Beziehung wird weder Macht ausgeübt noch Konkurrenz aufgebaut, sie ist
vielmehr ebenso ausgeglichen wie harmonisch und von Miteinander und Mitgefühl
geprägt.
Beziehungen, die im Gleichgewicht sind, haben sich in den verschiedenen Kulturen
durch viele göttliche Wesenheiten hindurch gezeigt, die eine liebevolle
Güte ausstrahlen – von Shiva und Shakti in der Hindu-Tradition bis
hin zu Avalokiteshvara und Tara in der Tradition des tibetischen Buddhismus
sowie Jesus und Maria Magdalena in der christlichen Überlieferung. Diese
Energien können als göttliche Wesen und ihre Gefährten verstanden
werden oder als Hohepriester und Hohepriesterin, die bei der heiligen und liebevollen
Vereinigung des Göttlichen zusammenwirken. Diese männlichen und weiblichen
Energien sind in jedem Einzelnen vorhanden und entstehen auch durch eine Partnerschaft.
Wir sprechen hier nicht von Geschlechtertrennung, sondern eher von den ausgeglichenen
Energien des verinnerlichten Männlichen und Weiblichen.
Die Vereinigung der männlichen und weiblichen Energien findet man im Tantra,
das die innere symbolische Vereinigung von Mann und Frau als Meditationsform
nutzt, um zur Erleuchtung zu gelangen. Ein Tantriker konzentriert sich darauf,
sämtliche Bewusstseinsebenen zu erweitern, um die höchste Wirklichkeit
Gottes zu enthüllen und zu erfahren. Das geschieht durch die symbolische
Vereinigung der beiden gegensätzlichen Energien des Männlichen und
Weiblichen (im Hinduismus wird dies als Shiva-Shakti-Energie bezeichnet). Durch
Tantra kann man die Maya oder Illusion des Getrenntseins überwinden,
die sich auf den niederen Bewusstseinsebenen manifestiert hat und die Gegenpole
von Mann und Frau entstehen ließ. Die echte Wirklichkeit ist mit dem Absoluten
gleichzusetzen, das nicht von der Dualität gekennzeichnet ist. Es umfasst
die Vereinigung der männlichen und weiblichen Aspekte im Menschen, damit
dieser sich in die göttliche Einheit hineintranszendieren kann.
Wir beide meinen nun, dass dieses Paradigma von der harmonischen und ausgeglichenen
männlichen und weiblichen Energiefür unsere weitere Reise auf dem
Evolutionsweg unerlässlich ist. Wir haben in unserer Entwicklung einen
Punkt erreicht, an dem unsere technisierte Welt endlich im richtigen Verhältnis
zur Weis heit der Herzensgüte stehen muss. Mit dem Buch Tantra des
Klangs möchten wir jeden Leser dabei unterstützen, dieses wichtige
Beziehungsparadigma in seinem Leben zu integrieren – für seine beschleunigte
Entwicklung und diejenige des Planeten. Entwicklung und diejenige des Planeten.
DAS NETZ DES LEBENS
Unserer Ansicht nach ist Tantra das Netz, das die gesamte Wirklichkeit miteinander
verknüpft und vereinigt. Die moderne Wissenschaft ist dabei, diese Vernetzung
anzuerkennen – wir alle sind Teil einer riesigen Bewusstseinsmatrix. Tatsächlich
zeigt uns die Quantenphysik, dass »Beobachter« und »beobachtetes
System« ein untrennbares Ganzes ergeben. Alles ist miteinander verbunden.
Objekte oder Erfahrungen können nicht voneinander getrennt werden. Im Experiment
wurde die Nicht-Lokalität demonstriert und nachgewiesen, was bedeutet,
dass sich Ereignisse, die gleichzeitig an einem anderen Ort stattfinden, gegenseitig
beeinflussen und aufeinander einwirken. Deshalb heißt es auch nach der
Chaos-Theorie, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings über Brasilien
einen Tornado in Texas auslösen kann.
Vor etwa achtzig Jahren prägte der berühmte Schweizer Psychologe Carl
Gustav Jung den Begriff »Synchronizität« und bezeichnete damit
zwei (relative zeitnah aufeinanderfolgende) Ereignisse, die auf den ersten Blick
ursächlich in keinem Zusammenhang stehen, aber dennoch miteinander verbunden
sind. Er stellte außerdem fest, dass hinter scheinbar »zufälligen«
Begebenheiten eben mehr steckt als bloßer Zufall. Jung sprach von einem
kollektiven Unbewussten, einem einheitlichen Gedankenfeld.
Wir sind alle miteinander verbunden – und gar nicht so allein und voneinander
getrennt, wie wir vielleicht glauben mögen. Die Lehre vom Tantra beinhaltet
dieses Verständnis von der Wechselbeziehung aller Dinge. Tantra lässt
uns nicht nur wissen, dass alles miteinander verbunden ist, sondern auch, dass
alles Bestandteil des Einen ist – des Göttlichen, des höchsten
universellen Geistes oder der göttlichen Macht.
Viele von uns fühlen sich isoliert oder ohne Verbindung. Wir fühlen
uns voneinander getrennt – nicht verbunden mit uns selbst und dem Göttlichen.
Viele Menschen erfahren dies jeden Tag. Unser Bewusstsein von der Dualität,
dass eben alles getrennt voneinander sei, erzeugt diese von uns wahrgenommene
Getrenntheit. Indem wir Tantra verstehen, können wir die Manifestation
des Einen erkennen; indem wir die Dualität überwinden, gelangen wir
zu einem Einheitsbewusstsein, welches das Göttliche in allem anerkennt.
EINE ÜBUNG: DAS TÖNEN DES AH
Wir möchten Sie nun dazu einladen, die folgende Grundtechnik des Tönens
selbst zu erfahren. Sie wird Ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie es sich
anfühlt, mit der eigenen Stimme zu tönen.
1. Atmen Sie langsam und tief ein und lassen Sie dann beim Ausatmen ein langes
AH auf Ihrem Atem »reiten«. (Wenn Sie möchten, können
Sie auch ein H davor setzen und HAH tönen – was auch immer besser
bei Ihnen funktioniert.) Lassen Sie den sanften, entspannten Ton aus sich heraus
entstehen, während Sie langsam ausatmen. Dabei sollten Sie es unterlassen,
das AH zu singen – es sollte einfach auf Ihrem Atem dahingetragen werden,
so dass es sich eher wie ein Seufzen anhört.
2. Atmen Sie langsam und tief ein, und atmen Sie dann aus, wobei Sie einen ganz
leisen und entspannten Ton erzeugen. Was geht dabei in Ihnen vor? Probieren
Sie es noch einmal. Horchen Sie in sich hinein, wie es Ihnen dabei geht. Was
geschieht, während Sie das AH tönen?
3. Tönen Sie das leise AH dreimal hintereinander. Verweilen Sie dann einen
Augenblick lang in der Stille. Beobachten Sie, was Sie dabei erleben.
4. Danach tönen Sie noch einige Male das AH, bis sich bei Ihnen durch den
erzeugten Ton ein Wohlgefühl einstellt.
5. Danach gehen Sie allmählich dazu über, das AH immer lauter und
vernehmlicher zu tönen. Machen Sie dies drei Mal hintereinander, verstummen
Sie dann und spüren Sie nach, was passiert, sobald Sie aufgehört haben.
Häufig löst das AH einen Zustand inneren Friedens aus und erschließt
damit den Zugang zur Liebe. Es ist ein kraftvoller Ton, über den man sich
vor allem für das Mitgefühl öffnen kann, das ein Schlüssel
zum Bewusstseinswandel ist.