Aus: Tina Denk-Dominik
»RHEUMA IST, WAS DU DRAUS MACHST!«
NUTZE DIE CHANCE AUF EIN NEUES LEBEN
INHALT
1 »Rien ne va plus« (Nichts geht mehr!)
2 Der Beginn einer Reise oder worum es geht
3 Der tiefere Sinn von Rheuma
4 Von der heilenden Macht unseres Glaubens
5 Von der »gesunden« Wahl
6 Wer oder was heilt, hat recht
7 Von der heilenden Kraft, sich selbst und anderen zu vergeben
8 Von der heilenden Notwendigkeit, loszulassen
9 Vom heilenden Recht, NEIN zu sagen
10 Vom heilenden Gefühl, »fünf gerade sein zu lassen«
11 Von den »gesunden« Gedanken
12 Von den »heilen« Gefühlen
13 Von der heilenden Kraft der Selbstliebe
14 Vom heilenden Fluss unseres Lebens
15 »Ich bin …«
16 Von der heilenden Kraft tiefer Dankbarkeit
Rheuma – Was ist das und woher kommt es?
Zum guten Ende
Über die Autorin
KAPITEL 1 – »RIEN NE VA PLUS« (NICHTS GEHT MEHR!)
Es kommt schleichend. Praktisch aus dem Nichts. Am Anfang ist es kaum mehr als
ein leichtes Ziehen in den Gelenken … hin und wieder. Nicht der Rede wert!
Und schon gar kein Grund, gleich zu einem Arzt zu gehen. Beim Laufen, Treppensteigen
oder beim Reiten tut mir dann plötzlich auch der rechte Knöchel weh,
in den ersten Wochen nur ab und zu, dann aber immer häufiger. Irgendwann
ist es so massiv, dass ich, wenn ich nachts oder in den frühen Morgenstunden
aufstehen und ins Bad muss, kaum noch auf diesem Fuß auftreten kann und
wie eine Einbeinige durch die Wohnung humpele. Rein äußerlich ist nichts
zu sehen, bis auf minimale, kaum wahrnehmbare Schwellungen um die Gelenke. Einige
Zeit später spüre ich dann auch in den Handgelenken und in meinen Knien
einen fiesen, brennenden Schmerz. Meist in den frühen Morgenstunden. Mit
dem Aufstehen wird es jedoch besser, und im Laufe des Tages verschwindet er meist
völlig.
Eine leise, sanfte Stimme in mir flüstert mir zu: »Da stimmt etwas
nicht mit Deinem Körper!«
»So ein Blödsinn!« Ich will diese Stimme nicht hören! Wir
haben das Jahr 2006, ich bin gerade 38 Jahre alt, verheiratet – leider ohne
Kinder – und stehe mitten im Leben! Ich bin gertenschlank, treibe Sport,
rauche nicht und ernähre mich gesund! Ich bin eine erfolgreiche Geschäftsfrau,
singe in meiner Freizeit in einer Band, bin leidenschaftliche Reiterin und führe
insgesamt ein tolles und erfülltes Leben (dachte ich bis dahin zumindest
…). Krankheit passt in mein Leben so gar nicht rein! Und außerdem
habe ich für »so etwas« auch überhaupt keine Zeit! Krank
sein ist etwas für die »anderen«, für die, die gerne zum
Arzt gehen. Aber nicht für mich! Ich bin gesund, basta!
Im September 2006, genau zwei Tage vor unserem lang ersehnten Urlaub auf den Kanaren,
wache ich in den frühen Morgenstunden auf und habe furchtbare Schmerzen in
meinem linken Knie, das plötzlich doppelt so dick wie das rechte ist! Ich
kann kaum noch auftreten, und es tut wirklich unerträglich weh. Mir ist echt
zum Heulen zumute! Nicht nur wegen der Schmerzen, sondern weil das ausgerechnet
jetzt zum Urlaub passiert, auf den ich mich so gefreut und den ich auch wirklich
nötig habe. Also auf zum Hausarzt.
»Na, was ist denn mit Ihnen los?«, fragt der mich, als ich in sein
Zimmer humpele. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, ohne dass ich
lange darüber nachdenke. Noch heute wundere ich mich über diese »Selbstdiagnose«,
die mir mein Unterbewusstsein in diesem Moment so prompt geliefert hat. Hatte
ich bis dato doch wirklich noch keine Sekunde auch nur annähernd an Rheuma
gedacht.
»Ich hab zwar keine Ahnung, wie sich Rheuma anfühlt, aber ich könnte
mir vorstellen, dass es sich genau so anfühlt!« Ich lache
dabei und tue es als Witz ab! Ist ja auch klar! Schließlich haben nur alte
Omis Rheuma, aber doch nicht ICH!
Der Doc kann da eher nicht drüber lachen. »Liegt Rheuma in Ihrer Familie?«
Ich schüttele den Kopf, obwohl ich diese Frage eigentlich nicht definitiv
beantworten kann. Statt noch mal nachzuhaken, tippt der Doc dann erst mal auf
eine Entzündung im Kniegelenk und will mich kurzerhand in die Röhre
schicken.
(...)
Das Rheuma zwingt mich – einen überaus aktiven Menschen – gnadenlos
zur Ruhe. Ich habe plötzlich sehr viel Zeit, über mich und mein Leben
nachzudenken. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu
dem Ergebnis, dass es mir in Wirklichkeit gar nicht so gut geht, wie ich immer
tue. Rein äußerlich und unter materiellen Gesichtspunkten gesehen mangelt
es mir zwar an nichts, aber rein emotional bin ich eigentlich kurz vorm »Verhungern«.
Mein Eheleben ist die reinste »Eiswüste«, Gefühle werden
unter den Teppich gekehrt oder einfach totgeschwiegen. Kein liebes Wort, keine
liebevolle Berührung, nicht mal ein Lächeln. Unser Zusammenleben ist
vollkommen »kopfgesteuert«. Selbst das Lachen ist verschwunden. Als
wäre das Leben nicht schon ernst genug. Materielle Dinge, die Gesellschaft,
die Nachbarn, der Job, alle und alles andere ist so viel wichtiger.
Mir wird immer mehr bewusst, dass ich in meiner Ehe einen ganz wesentlichen Teil
von mir, nämlich meine Emotionen wie Lebensfreude, Begeisterung, Zuneigung,
Zärtlichkeit, ja meine ganze geballte Weiblichkeit und auch meine Erotik,
gar nicht mehr ausleben kann. Also habe ich irgendwann angefangen, das alles zu
unterdrücken. Habe einfach resigniert und abgeschaltet. Nach außen
hin funktioniere ich perfekt! Alles super und toll! Aber da drinnen in mir, da
tut sich rein gar nichts mehr! Ich bin innerlich wie tot. Früher konnte ich
mich über jede noch so winzige Kleinigkeit freuen, jetzt kann ich überhaupt
keine richtige Lebensfreude mehr aufbringen. Das ist sehr schlimm. Ich bin seelisch
– und durch das Rheuma nun auch körperlich – völlig erstarrt.
Unbeweglich. Rien ne va plus! Nichts geht mehr ...
Und das mit gerade mal 38 Jahren!
(...)
Ich fange an zu begreifen, dass ich nicht einfach »nur krank« bin,
sondern dass viel mehr dahintersteckt. Und plötzlich schimmert auch wieder
ein Streifen Hoffnung an meinem inneren Horizont auf! In meiner geistigen Vorstellung
reift langsam aber sicher ein Veränderungsprozess. Ich hadere nicht mehr
mit meinem Schicksal und verschwende auch keine Energie mehr damit, mir den Kopf
zu zerbrechen und nach dem »Warum passiert das ausgerechnet mir?«
zu fragen.
Vielmehr bin ich neugierig geworden. Ich will nun wissen: »Was will mir
diese Krankheit sagen? Was soll ich daraus lernen? Was muss ich in meinem Leben
vielleicht verändern, damit es mir wieder besser geht?«
Eines wird mir langsam klar: Es ist kein Zufall, dass ich diese Krankheit bekommen
habe. Es ist vielmehr eine Aufgabe, die ich zu meistern habe. Diese Einsicht nimmt
sofort etwas von der bleiernen Schwere, die seit der Diagnose »Rheuma«
so massiv auf mein Gemüt drückt. Es fällt mir plötzlich sehr
viel leichter, meine Situation wirklich anzunehmen, und ich kann auch besser damit
umzugehen.
Hinzu kommt, dass endlich, endlich die Medikamente ihre Wirkung entfalten und
meine Schmerzen zwar langsam, aber kontinuierlich nachlassen. Ich kann wieder
ein bisschen aufatmen. All die Jahre war Gesundheit für mich etwas ganz Selbstverständliches!
Nun begreife ich erst, wie kostbar sie wirklich ist. Früher war sie einfach
da, heute muss ich etwas dafür tun, mein Leben verändern, mich verändern,
vielleicht sogar kämpfen (zumindest gegen den eigenen inneren Schweinehund),
um sie wieder zurückzuerlangen!
(...)
Plötzlich sehe ich mich selbst da sitzen, als kleines sechsjähriges
Mädchen. Ich sitze da wie erstarrt. Verlassen. Es ist der Tag, als mein Opa
vor mir in der Küche von einem Stuhl fällt und an einem Herzschlag stirbt.
Er liegt vor mir, sein Gesicht läuft blau an, während alles Leben aus
ihm entweicht. Meine Oma schreit, die Nachbarn rennen herbei. Irgendjemand zieht
mich weg und setzt mich in eine Ecke. Ich sehe noch mit an, wie der Leichnam meines
Opas hinausgetragen wird, ehe ich zur Nachbarin verfrachtet werde.
Mein Opa ist zu dieser Zeit der wichtigste Mensch in meinem noch so jungen Leben.
Ich hänge an ihm mit jeder Faser meiner kindlichen Seele, denn einen Vater
gibt es für mich nicht. Ich war sozusagen ein »Unfall« oder,
wie man heute sagen würde, das Ergebnis eines klassischen One-Night-Stand.
Meine Eltern waren bereits vor meiner Geburt wieder getrennt beziehungsweise nie
so richtig zusammen gewesen. Meine Mutter arbeitet den ganzen Tag, meine Oma hat
mit sich selbst genug zu tun. Der Einzige, der immer für mich da ist, ist
mein Opa. Mit seinem Tod verschwanden damals alle meine Hoffnungen, und das Kind
in mir erstarrte innerlich.
Ich durchlebe diesen für mich so furchtbaren Tag erneut, und die Tränen
strömen nur so. Mit Hilfe der Therapeutin wird dieses innere Bild dann durch
ein positives Bild ersetzt. Ich nehme das kleine Mädchen, das ich ja selbst
bin, in die Arme und führe es dann aus diesem nebligen Zimmer hinaus in die
Freiheit.
Es folgen noch weitere Türen, die ich in dieser Sitzung zu öffnen habe.
In manchen Räumen erwarten mich zum Teil längst vergangene Erlebnisse,
die mich sehr wütend gemacht oder auch sehr verletzt haben. Schlimme Gefühle,
die immer noch in meinem tiefsten Inneren brodeln wie in einem glühenden
Vulkan. Mir ist, als würde eine unbändige Hitze meinen Körper innerlich
verbrennen, und ich erkenne darin meine grauenhaften rheumatischen Schmerzen wieder.
Auch hier werden sehr negative Erlebnisse unter Anweisung der Therapeutin noch
einmal angeschaut und in liebevolle und positive Bilder umgewandelt. Danach spüre
ich, wie eine lindernde, erlösende Kühle in meinen Körper dringt.
Die Hitze verschwindet langsam.
Als die Sitzung zu Ende ist, bin ich sehr aufgewühlt und sehr müde,
aber innerlich fühle ich mich unglaublich gut und wie befreit. All meine
Konzentration richtet sich nun auf die Frage: »Wie werde ich wieder heil
und gesund?«
Irgendwann höre ich auch auf damit, negative Berichte von Menschen, die an
Rheuma erkrankt sind, zu lesen. Ich meide die Internetforen zu diesem Thema. Ich
möchte mein Gemüt nicht noch mit den negativen Erlebnissen anderer Rheumapatienten
belasten. Stattdessen verschlinge ich alles, was ich in die Finger bekomme, an
Berichten von und über Menschen, die von einer unheilbaren Krankheit wieder
genesen sind, die zum Beispiel eine Krebserkrankung überstanden oder sonstige
»wundersame« Heilungen erfahren haben. Das stärkt meinen Glauben
an Gesundheit und tut mir gut. Außerdem wirken die Medikamente immer besser,
und ich werde zusehends schmerzfrei.
(...)
In den darauffolgenden Tagen und Wochen bemerkte ich eine spürbare Verbesserung.
Die Morgensteifigkeit meiner Gelenke ließ nach. Ein Jahr später meldete
ich mich erneut zu einer Familienaufstellung an, und wieder konnte ich absolut
positive Erfahrungen für mich mitnehmen.
Heute probiere ich auch gern verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, Enzympräparate
und Schüsslersalze aus und bemühe mich, meine Ernährung umzustellen
und auf Lebensmittel, die den Entzündungsprozess im Körper noch fördern,
wie Schweinefleisch, Milchprodukte, Süßigkeiten und Alkohol, nach Möglichkeit
zu verzichten. Aber alles in einem gesunden Mittelmaß und ohne mir selbst
irgendeinen Zwang aufzuerlegen.
Ich habe beschlossen, mein Leben trotz »Rheuma« zu genießen.
Und ich glaube nicht, dass es mir besser geht, wenn ich mir selbst jeden Spaß
nehme. Auch den Sport versuche ich nun etwas gelassener anzugehen. Entspannung
statt Hochleistung. Da das Joggen nicht gut für meine Kniegelenke ist, beschränke
ich mich aufs Walken und stelle mit Freude fest, dass mir das sogar viel besser
bekommt. Immer wieder lese ich Bücher, die sich mit positivem Denken und
der Aktivierung der Selbstheilungskräfte beschäftigen, und versuche,
all dies tagtäglich und so gut es geht in meinem Leben anzuwenden.
Natürlich gibt es nach wie vor Tage, an denen ich einen »Durchhänger«
habe und mies drauf bin, aber selbst mit solchen Stimmungsschwanken kann ich immer
besser umgehen. Sie machen mich nicht mehr so unglaublich nieder. Mein Glaube
an Gesundheit wird immer stärker. Und je stärker er wird, desto weniger
spüre ich etwas von dem »Rheuma« in mir.
(...)
Seit über zwei Jahren komme ich jetzt gänzlich ohne Metex und nur mit
einer Dosierung von zwei bis drei Milligramm Cortison aus. Die Ärzte beglückwünschen
mich. Meine Blutwerte sind erstklassig, keine Spur von Nebenwirkungen, ich wiege
nach wie vor 59 Kilo bei 1,72 Meter Größe – mir geht es super
gut. Ich habe mein Leben zurück, kann alles machen, was ich will, ohne jegliche
Beeinträchtigung. Das Rheuma in mir ist irgendwann so in Vergessenheit geraten,
dass ich jeden, der mich nach meinem Befinden in Sachen Rheuma fragt, im ersten
Moment völlig verdutzt anschaue, weil es so weit weg von mir ist.
Und das ist gut so.
RHEUMA – WAS IST DAS UND WOHER KOMMT ES?
Eine pauschale und allgemein gültige Antwort auf diese Fragen zu geben, ist
eher schwierig, denn unter der Bezeichnung »Rheuma« werden mittlerweile
weit über vierhundert Arten sogenannter rheumatischer Erkrankungen zusammengefasst.
»Rheuma« ist also lediglich ein Sammelbegriff. Ein großer Topf,
in den vieles hineingeworfen wird.
Aber im Grunde ist »Rheuma« zunächst einmal noch gar keine richtige
Diagnose. Diese gilt es nämlich bei jedem einzelnen Patienten gesondert zu
stellen. Und das ist auch für einen Mediziner nicht immer auf Anhieb leicht.
Das beste Beispiel dafür ist die Aussage eines Arztes aus meinem Bekanntenkreis,
der das mal sehr salopp so formuliert hat: »Fällt dem Doktor nichts
mehr ein, könnte es auch ›Rheuma‹ sein!«
Rheuma hat im wahrsten Sinne des Wortes viele »Gesichter«, denn jeder
Mensch leidet anders darunter oder hat unterschiedliche Symptome und Krankheitsverläufe.
Rheuma ist niemals bei allen Menschen gleich.
Der Begriff »Rheuma« leitet sich von dem griechischen Wort »Rheo«
ab, was »fließen« heißt. Mit Rheuma sind daher ziehende,
brennende oder auch stechende Schmerzen gemeint, die durch unseren Körper
fließen und unseren Stütz- und Bewegungsapparat angreifen und bis zur
Bewegungsunfähigkeit lahmlegen können.
Die Schulmedizin spricht von den »Krankheiten des rheumatischen Formenkreises«,
der wiederum in vier Hauptgruppen eingeteilt ist, in die entzündlichen rheumatischen
Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew, die degenerativen
Erkrankungen wie Arthrose, die durch Stoffwechselstörungen wie Gicht bedingten
Rheumaerkrankungen und den Weichteilrheumatismus, auch als Kollagenosen bezeichnet,
der unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein kann, da die inneren Organe
davon betroffen sind.
Unter diesen vier Rheumaerkrankungen sind die am häufigsten vorkommenden
jene, die zur Gruppe der entzündlichen rheumatischen Erkrankungen gehören.
Im Gegensatz zur ebenfalls sehr häufig auftretenden Arthrose, die durch Verschleißerscheinung
entsteht, zerstört bei der Rheumatoiden Arthritis oder chronischen Polyarthritis
das körpereigene Abwehrsystem aufgrund einer Fehlfunktion gesunde Zellen,
genauer gesagt die Innenwände der Zellen in unseren Gelenken! Und das verursacht
diese abartigen Schmerzen. Das Immunsystem dreht sozusagen völlig durch!
Im Grunde ist das völlig absurd. Mir fällt es nach wie vor sehr schwer
zu begreifen, wie unser Körper, der ja wirklich ein wahres Wunderwerk der
Natur ist, etwas derart Verrücktes tun kann. Und vor allem, warum tut
er das?
(...)
Grundsätzlich ist Rheuma nicht nur eine »Entzündung«, »Verschleißerscheinung«
oder »Stoffwechselerkrankung« in unserem Körper. Hinter Rheuma
verbirgt sich noch sehr viel mehr. Es ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass
Rheuma, genau wie andere vermeintlich unheilbare Krankheiten, auch einen psychosomatischen
Hintergrund hat. Das heißt nichts anderes, als dass sich unser psychisches
Leiden auf unserer körperlichen Ebene ausdrückt. Die Schmerzen unseres
Körpers sind in der Regel die Schmerzen unserer Seele. Ängste, Depressionen,
Phobien, Hass, Trauer, seelischer Stress, all das fördert solche Krankheitsprozesse
in uns. Demzufolge muss unser seelisches und mentales Befinden zwangsläufig
auch einen sehr großen Einfluss auf unseren Körper haben. Das wiederum
heißt, dass es für eine erfolgreiche Rheumabehandlung unbedingt erforderlich
ist, diese nicht ausschließlich unter schulmedizinischen Gesichtspunkten
zu betrachten und zu behandeln, sprich die Krankheit einfach nur »hinzunehmen«
und Tabletten zu schlucken, sondern den Blick auch über den Tellerrand hinaus
zu werfen. Soll der Körper wieder gesunden, müssen wir daran arbeiten,
dass auch unsere Seele wieder »heil« wird.
Untersuchungen und Studien haben ergeben, dass wir Rheumapatienten bestimmte charakteristische
Eigenschaften gemein haben. Die meisten von uns gaben auf Befragung nach ihren
Lebensumständen und persönlichen Gepflogenheiten an, eher überaktiv
als passiv zu sein (der sogenannte »Hansdampf in allen Gassen«), verbunden
mit einem übertriebenen Ehrgeiz, alles zwanghaft besser machen und perfekt
sein zu wollen und auch zu müssen.
Wir Rheumatiker neigen dazu, uns mit Arbeit und Pflichten nur so vollzuladen.
Seht alle her, was wir schaffen! Ruhe oder Müßiggang widerstrebt uns
in der Regel. Auffallend ist auch unsere große Bereitschaft, sich für
andere aufzuopfern. »Nein« zu sagen fällt uns genauso schwer
wie eine Bitte abzulehnen. Wir schimpfen so gut wie nie und würden einem
anderen niemals so richtig die Meinung »geigen«. Die Angst in uns
vor einem möglichem Liebesentzug ist zu groß. Lieber tun wir uns selbst
weh als einem anderen Menschen. Unsere emotionale Schmerzgrenze scheint unendlich
dehnbar zu sein. Wir sind Meister im Verzeihen und Vergeben, zumindest nach außen
hin und bei den anderen.
Bei uns selbst setzen wir dann allerdings ganz andere Maßstäbe an.
Da sind wir kritisch, streng und unverzeihlich. Und in uns drinnen sieht es freilich
auch ganz anders aus. Da ärgern wir uns nämlich und sind wütend,
dass wir so unfähig sind, etwas abzulehnen oder gar unseren Zorn zum Ausdruck
zu bringen.
Wen wundert’s da noch, dass mehr Frauen von Rheuma betroffen sind? Neigen
wir Frauen doch im Allgemeinen viel mehr als Männer dazu, die Dinge einfach
klaglos hinzunehmen. Wir sind von Natur aus passiver. Wir sind dazu erzogen, Verständnis
zu haben. Wutausbrüche gelten nicht als »damenhaft«. Also schlucken
wir vieles hinunter, fressen es in uns hinein, stauen es in unserem Körper
an, bis sich ein giftiges, brodelndes Gemisch entwickelt, das uns nun von innen
regelrecht aufzufressen beginnt. Wir sind sozusagen »richtig sauer«.
Unser Körper ist im wahrsten Sinne des Wortes »übersäuert«.
Die Selbstzerstörung in uns nimmt in Form einer ständigen Entzündung
ihren Lauf.
Diese Theorie spiegelt sich übrigens auch in der Naturheilkunde wider, die
bei rheumatischen Krankheiten von »giftigen Ablagerungen« im Körper
spricht. Das sind zum einen die sogenannten Toxine, die durch übermäßige,
ungesunde Nahrung, Alkohol, Nikotin oder Sonstiges im Körper angesammelt
werden, aber auch jene mentalen Gifte wie Wut, Trauer und all die tiefen Verletzungen,
die im Laufe der Zeit dicke Narben auf unserer Seelenhaut hinterlassen haben.
Sie alle setzen sich bevorzugt im Binde- und Fettgewebe ab. Aus diesem Grunde
sind für eine erfolgreiche Rheumatherapie eine gesunde Ernährung sowie
ausreichende und wohldosierte Bewegung genauso wichtig wie eine gute medizinische
Versorgung. Auf diese Weise kann der Körper nämlich das Fettgewebe und
damit auch die darin befindlichen Gifte besser abbauen und ausscheiden.
Rheuma ist also niemals nur ein Aspekt, sondern immer eine Mixtur von allem. Deshalb
brauchen wir auch eine Behandlung, die sowohl die geistig-mentale als auch die
seelische und körperliche Ebene mit einbezieht.
In allererster Linie ist Rheuma aber das, was DU selbst daraus machst.
Es liegt an Dir!
Du kannst es klaglos hinnehmen, verdrängen, in Selbstmitleid
aufgehen, Dich einfach aufgeben …
oder aber
es annehmen und es als eine Chance sehen,
etwas daraus zu lernen,
über Dich selbst, Deine Bedürfnisse und Dein Leben!
Und diese Entscheidung hast allein DU in DEINER
Hand, und sie beginnt in DEINEM Kopf und in
DEINEN Gedanken!
Drum entscheide Dich doch lieber für das Positive
und mach einfach das Beste für Dich daraus!
Und genau dabei wollen Dir die nachfolgenden Zeilen helfen …
wenn Du bereit bist, Dich darauf einzulassen …