Aus: Peter Classen
»INDIGO-MENSCHEN UND DER WEG AUS DEM BURNOUT«
INHALT
Einführung des Autors
1 Anders zu sein ist das Normale
2 Wie erkenne ich einen Indigo-Menschen?
3 Das Burnout-Syndrom bei Lehrern, Eltern und Erwachsenen:
Welchen Nutzen bringt es der Menschheit?
– Betroffene Erwachsene berichten
– Lehrer und Erzieher erleben die Not der Betroffenen
4 Welchen Auftrag haben Indigo-Menschen?
5 Das Geschenk des Indigo-Menschen in meiner Umgebung
– Partnerschaft mit Indigos, die als auffällig eingestuft wurden
6 Wie können Indigos lernen?
– Indigo-Kinder schütten ihre Seele aus
– Eltern von betroffenen Kindern berichten
7 Die Evolution nur in der Technik – oder auch im Geistigen?
8 Als Indigo seine Berufung finden und mit ihr leben und arbeiten
9 Indigos im Umgang miteinander
– Indigos und Sexualität
– Indigos und Drogen
– Indigos und Religion
10 Alle Menschen sind Kinder Gottes
11 Dem Minotaurus in uns begegnen
12 Die andere Begegnung
13 Mut und Hoffnung
Empfehlenswerte Bücher
Seminare und Vorträge des Autors
EINFÜHRUNG
Viele Menschen werden als auffällig bezeichnet und oft auch als behindert
oder krank abgetan. Legasthenie, ADS, ADHS und Autismus sind nur einige der
Begriffe, die ein solches Denken fördern. Aber könnte es nicht sein,
dass es bei ihnen gar nicht so sehr um Behinderung oder Krankheit geht, dass
sich etwas ganz Anderes dahinter verbirgt?
Was ist, wenn die Betroffenen ungeahnte Talente aufweisen? Was ist, wenn wir
es mit Indigo-Menschen zu tun haben, die eine starke Anbindung an das Göttliche
haben?
Diesen und anderen Fragen gehe ich im vorliegenden Buch nach.
Was sind Indigo-Menschen überhaupt? Indigos sind Personen, die auf andere
Weise wahrnehmen und sich oft nur zögerlich oder ängstlich dazu äußern.
Einige trauen sich auch gar nicht, darüber zu sprechen. Noch nicht.
Warum zögern sie? Und warum sind sie so ängstlich? Es ist die Angst,
nicht verstanden zu werden. Indigo-Menschen nehmen anders wahr und werden dadurch
in ihrem Sein, »so wie das Leben sie geschaffen hat«, nicht verstanden.
Und nicht verstanden zu werden, ist ein sehr unangenehmes Gefühl –
deshalb schweigen sie.
Als Legastheniker und ADSler habe ich in der Schule und im Elternhaus meistens
negative Anerkennung erfahren. Die Natur hingegen liebte ich schon immer, und
dort fand ich auch die Kraft zum Leben.
Wie konnte es sein, dass ich in der Schule in Deutsch und Englisch immer mangelhaft
bewertet wurde und später bei einem japanischen Fahrzeughersteller als
Kundendienstleiter arbeitete, mich mühelos auf Englisch verständigte
und heute als Schriftsteller tätig bin? Was geschieht da? Woher habe ich
mein Wissen? Woher kamen die englischen Worte, als ich sie brauchte? Wieso haben
die Psychologen mich in meiner Kindheit als hochbegabt eingestuft, und in der
Schule war ich dann ein »Versager«? Ich bin ein Indigo-Mensch.
Als Indigo-Mensch zu leben ist oft nicht leicht, und mit diesem Buch lade ich
die Leser ein, sich selbst zu erkennen und an sich zu glauben. Es spiegelt auch
meinen eigenen Entwicklungsprozess, wie ich als Indigo-Mensch begann, erwachsen
zu werden. Dieser Prozess ist fortlaufend, und so befinde ich mich immer noch
mitten drin.
Dass ich dieses Buch für Indigo-Erwachsene geschrieben habe, ist eine logische
Konsequenz aus meiner beruflichen Tätigkeit. Ich arbeite jetzt schon seit
längerem als Legasthenie- und ADS/ADHS-Berater, und dabei ist mir aufgefallen,
dass die Eltern vieler Kinder, bei denen heute Auffälligkeiten attestiert
werden, oft ähnliche Wahrnehmungsfähigkeiten haben wie ihre Kinder,
sie aber nicht gelten lassen.
Um ein persönliches Beispiel zu nennen: Mein Vater war Tierarzt und hatte
die berühmte Doktorschrift. Man konnte sie nicht lesen und somit auch keinen
Fehler erkennen. Das war seine Art, sich vor Ausgrenzung und Erniedrigung bei
einem Fehler zu schützen. Da er sich selbst und seine Wahrnehmungsfähigkeiten
noch nicht erfahren und erkannt hatte, konnte er mir auf meinem Weg, mich selbst
zu erkennen, auch nicht helfen.
Sobald wir uns als erwachsene Indigo-Menschen erkannt und angenommen haben,
können wir auch mit unseren Kindern eine neue Ebene der Kommunikation aufbauen.
Das ist oft für die ganze Familie und die schulische Situation entspannend
und heilsam.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mit mir auf eine innere Entdeckungsreise
gehen, die durch persönliche Erfahrungsberichte von betroffenen Kindern
und Erwachsenen begleitet wird, die mir im Laufe meiner Arbeit von Eltern, Lehrern
und Erziehern geschildert wurden.
Ich möchte Sie dazu von Herzen einladen.
KAPITEL 3
DAS BURNOUT-SYNDROM BEI LEHRERN, ELTERN UND ERWACHSENEN:
WELCHEN NUTZEN BRINGT ES DER MENSCHHEIT?
Als legasthenisch talentierter ADS-Mensch durfte ich das Gefühl kennen
lernen, der Schlechteste in der Schule zu sein. Bei meinen »hervorragenden«
schulischen Leistungen war mir der Weg auf eine Universität natürlich
verbaut, und so konnte und brauchte ich selbst nicht Lehrer im klassischen Sinn
zu werden – und bin es heute doch.
Eben ein »Wahrnehmungslehrer«.
Also kann ich nicht aus eigener Erfahrung über das Burnout-Syndrom bei
klassischen Lehrern schreiben und nur das wiedergeben, was mir betroffene Lehrer
gesagt haben. Andererseits durfte ich jedoch erfahren, dass ausgebrannte Lehrer
und Eltern nicht weniger leiden als die Kinder. So ist es irgendwie doch wieder
meine eigene Erfahrung, von der ich hier rede – wie bei vielen Lehrern,
die erst durch ihre Krankheit anfangen, die Kinder wirklich zu verstehen.
Und genau so geht es vielen Eltern. Durch ihr Ausgebranntsein in Folge des Umgangs
mit ihren Kindern eröffnet sich auch für sie eine neue Ebene der Kommunikation.
Was bedeutet Burnout bei Lehrern? Er zeigt sich oft als Unfähigkeit, den
erlernten Beruf weiter ausüben zu können. Viele Lehrer haben lange
Jahre ihres Lebens mit Kindern gearbeitet, um ihnen nach bestem Wissen und Gewissen
nützliche Dinge für das Leben hier auf der Erde beizubringen. Plötzlich
sind sie ausgebrannt, fühlen sich leer und können nichts mehr vermitteln.
Sie verzweifeln fast daran. Wenn sie altersmäßig in den Vorruhestand
wechseln können, sind sie zumindest wirtschaftlich einigermaßen abgesichert.
Wenn das nicht der Fall ist, kommt oftmals auch noch eine wirtschaftliche Not
hinzu.
Wesentlich ist jedoch die innere Leere: »Wozu habe ich eigentlich studiert?
Wieso kann ich nicht mehr unterrichten?«
Eine Lehrerin berichtete mir einmal (mit Tränen in den Augen): »Mein
ganzes Leben habe ich nur Kindern helfen wollen, ins Leben zu finden, und musste
eines Tages feststellen, dass ich sie überhaupt nicht richtig erreicht
habe.«
Das Leid dieser Lehrer ist immens groß. Menschen, die nicht betroffen
sind, urteilen da recht schnell: »Der hat einfach keine Lust mehr. Der
will sich auf Kosten anderer ausruhen. Lehrer haben sowieso viel zu viel Ferien,
und jetzt wollen sie gar nicht mehr arbeiten.« Lehrer mit diesem gedanklichen
Hintergrund gibt es natürlich auch viele, viel zu viele. Was Nicht-Betroffene
jedoch nicht wissen ist, dass die ausgebrannten Lehrer wirklich nicht mehr können,
und wenn sie noch so gerne wollen. Es geht einfach nicht mehr. Da helfen kein
Urlaub und keine Therapie. Es geht nichts mehr.
Bei den letzten Sätzen, die ich über Lehrer mit Burnout-Syndrom geschrieben
habe, empfinde ich dasselbe, als würde ich über die Kinder schreiben,
die so gerne wollen, aber nach den bisherigen Vorgaben einfach nicht können.
Für mich als legasthenisch talentierten ADS-Menschen liegt hier auch der
Nutzen für die Menschheit verborgen.
Ausgebrannte Lehrer und verhaltensauffällige Kinder haben etwas Wichtiges
gemeinsam. Sie können in unserem bestehenden System nicht mehr funktionieren.
Für einen sensiblen Menschen gibt es nichts Schlimmeres, als nicht mehr
gebraucht zu werden. Aber wenn ein Lehrer, der am Burnout-Syndrom leidet, meint,
nicht mehr gebraucht zu werden, so irrt er sich. Er wird ebenso gebraucht wie
verhaltensauffällige Kinder und Legastheniker. Und gemeinsam lässt
sich auch ein Weg finden, wie wir lernen und lehren können.
Die Lehrerin, von der ich gerade schrieb, hat für sich einen Weg gefunden,
mit legasthenischen und ADS-Kindern zu arbeiten – und sie erreicht sie
wieder. Wenn sie jetzt über ihre Arbeit spricht, leuchten ihre Augen.
Die Frage »Wie geht es dir?« brauche ich ihr nicht mehr zu stellen,
denn ihre Augen haben mir die Antwort schon lange gegeben.
Genauso sagen mir immer wieder Eltern, dass sie durch ihr Kind und mit Hilfe
ihres Kindes begonnen haben, sich selbst besser zu verstehen.
Aber worin liegt die Herausforderung? Bevor wir uns damit im folgenden Kapitel
eingehender beschäftigen, zunächst noch einige Aussagen von Betroffenen.
Jasmin, 23 Jahre (Pädagogikstudentin)
»Manchmal halte ich das im Hörsaal nicht mehr aus. Wir lernen, genau
die Dinge mit Kindern zu tun, die mich in meiner eigenen Kindheit am meisten
gequält haben.
Wir sollen die Kinder nach unseren Vorstellungen und gesellschaftlichen Vorgaben
formen und dazu den eigenen Willen der Kinder und ihr Selbstbewusstsein brechen.
Das ist etwas, was mir als ADS-Frau in meiner Kindheit nicht möglich war
und mir auch jetzt als Erwachsene nicht möglich ist. Ich glaube, ich bin
eine Indigo.«
Anmerkung des Autors: Daraufhin sagte ich ihr, dass es sehr wichtig ist,
dass gerade Menschen wie sie, die diese Selbstreflexion zulassen, unsere künftigen
Lehrer werden und die Situation an den Schulen verändern.
Ein Lehrer
Bei einem Vortrag in einem Kindergarten mit gut dreißig Teilnehmern sagte
in der anschließenden Diskussion eine Mutter, dass in den Schulen aber
eine völlig andere Situation herrsche als in dieser Runde. Mit leiser und
ruhiger Stimme meldete sich ein Lehrer: »Ja, das haben wir jetzt verstanden,
deshalb sind wir doch auch hier.«
Dieser Satz war so ehrlich und erfüllte den ganzen Raum. Da gab es kein
bisschen Platz mehr für gegenseitige Schuldzuweisungen.
Bei dieser Veranstaltung waren zwölf Erzieherinnen, sechs Lehrer und Lehrerinnen,
betroffene Erwachsene und betroffene Kinder mit ihren Eltern zusammen in einem
Raum und fanden Verständnis untereinander und füreinander.
Eine Erzieherin in einem Kindergarten
»Gut, dass ich heute Abend dabei sein durfte. Ich habe die Not der Betroffenen
gar nicht richtig gesehen. Der junge Mann in der ersten Reihe war als Kind hier
in diesem Kindergarten bei mir. Ich kannte ihn als einen glücklichen und
lieben Jungen. Heute habe ich die Angst in ihm spüren können und auch
Alkohol gerochen. Gut, dass er eine verständige Partnerin hat und den Mut
besaß, heute Abend hierher zu kommen und sich zu öffnen.«