Aus: William Stillman
»AUTISMUS UND DIE VERBUNDENHEIT MIT GOTT«
INHALT
Einführung
TEIL I – EIN WEG ZUR CHANCE
1 Wunder wirken
2 Sich dem glücklichen Zufall fügen
TEIL II – GÖTTLICHE ERFAHRUNGEN
3 Ohne Worte sprechen
4 Spirituelle Beschützer
5 Engel um uns herum
TEIL III – BESTÄTIGUNGEN
6 Izzy
7 Gespenster im »Labor«
8 Die Marienkäfergeschichte
9 Der Kreis schließt sich
Danksagung
Über den Autor
Anhang A: Bibliografie
Anhang B: Nützliche Adressen
EINFÜHRUNG
Wenn Sie das vorliegende Buch lesen, gehören Sie offenbar zu jenen Menschen,
die daran interessiert sind, mehr über Autismus zu erfahren. In den USA sind
das laut einer Umfrage aus dem Jahr 2003 immerhin 71 Prozent. Wahrscheinlich haben
Sie aber auch die sich häufenden Nachrichten gesehen oder gehört, die
sich auf das Thema beziehen oder es sogar groß herausstellen. Vielleicht
kennen Sie auch jemanden, der ein Kind mit Autismus hat – ein Freund, eine
Kollegin, eine Bekannte, Sie selbst.
Wenn der Titel Ihre Aufmerksamkeit erregt hat, werden Sie mehr über Autismus
und seine starken spirituellen Bezüge erfahren wollen. Vielleicht haben Sie
diese göttliche Verbundenheit auch schon aus erster Hand erlebt? Oder Sie
sind so aufgeschlossen, dass Sie aus einer ganz einmaligen Perspektive mehr über
Autismus erfahren möchten. So ist es mir ergangen. Trotzdem war die Verinnerlichung
des Ganzen eine überraschende Reise, die mich zu beruflichen und persönlichen
Offenbarungen geführt hat.
Falls Sie mit Autismus nicht vertraut sind: Aus klinischer Sicht handelt es sich
um eine neurologische Abweichung in der Vernetzung des Gehirns. Es ist nicht bekannt,
dass es eine einzelne Ursache gäbe, wohl aber gibt es zahlreiche Theorien;
die aktuelle Forschung konzentriert sich auf genetische und umweltspezifische
Faktoren. (Noch 1997 präsentierte ein Lehrbuch zur Krankenpflege das alte
Klischee, gleichgültige, »kalte« Mütter wären für
die autistische Dissoziation ihrer Kinder verantwortlich!)
Autismus beeinträchtigt vor allem die Fähigkeit, effizient, verlässlich
und universell verständlich zu kommunizieren. Das bedeutet, dass viele Betroffene
entweder gar nicht sprechen oder ihre sprachlichen Fähigkeiten begrenzt sind.
Das macht es ihnen schwer, die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Gedanken
und Sehnsüchte zu äußern – was sich unweigerlich auf die
Qualität der sozialen Beziehungen auswirkt. Die Schwierigkeit, soziale Beziehungen
aufrechtzuerhalten, ist ein weiteres Kennzeichen der Diagnose »Autismus«.
Autismus wird auch diagnostiziert, wenn ausgeprägte Abweichungen der fein-
und grobmotorischen Fertigkeiten vorliegen. Dazu gehören stereotype Verhaltensweisen,
etwa das Vor- und Zurückwiegen des Körpers, das Kreisenlassen einer
Stück Schnur, das ständige Aus- und Anknipsen eines Lichtschalters oder
einfach die Unfähigkeit, sich koordiniert und geschickt zu bewegen. (Einige
Personen mit Autismus haben vorgebracht, dass gewisse körperliche Auffälligkeiten
nicht ihrem Willen unterliegen, wie anhaltendes unwillkürliches Zittern,
Niesen oder Zucken.)
Autismus ist eine lebenslange Erfahrung und weder ansteckend noch heilbar. Er
gehört ganz natürlich zum Wesen eines Menschen, genau wie seine Haarfarbe,
die Pigmentierung seiner Haut und Eigenschaften, die er von seinen Ahnen vererbt
bekam – Autismus ist so spezifisch und individuell wie jeder einzelne Mensch.
Er spielt sich in einem breiten, sehr bunten Spektrum ab, das von Menschen, die
scheinbar beträchtliche Handicaps aufweisen, bis zu solchen mit
äußerst leichten Ausprägungen reicht.
Ich beispielsweise erkenne mich im Asperger-Syndrom wieder, vor allem wenn ich
an meine Kindheit, meine Jugend und mein frühes Erwachsenenleben denke. Das
Asperger-Syndrom wird in diesem breiten Spektrum derzeit als einer der »Vettern«
des Autismus betrachtet. Es gilt als eine leichtere, hochfunktionale Form dieses
Erlebens, und ich kann mich gut in Menschen mit dieser Diagnose einfühlen.
SPIRITUALITÄT BEI MENSCHEN MIT AUTISMUS
Ich berate jetzt schon seit Jahren speziell Teams, die vor der Herausforderung
stehen, Menschen, die anders sind, beispielsweise Autisten, zu verstehen. Ich
hatte bereits mit vielen autistischen Menschen zu tun, die spirituell brillant
sind und eine Schönheit besitzen, die von innen heraus strahlt – es
war, wenn Sie so wollen, ein gegenseitiges »Erkennen«.
Einige dieser Personen oder ihre Familien haben meine sofortige Wahrnehmung einer
spirituellen Angebundenheit bestätigt. Ihre Geschichten haben unterstrichen,
dass viele Personen mit Autismus eine gesteigerte Bewusstheit, eine angeborene
Sanftheit und äußerste Sensibilität besitzen – sie haben
die Fähigkeit, alles Sichtbare und Unsichtbare wahrzunehmen. Bei manchen
nehmen diese Segnungen die Form »medialer Begabungen« an wie solcher,
die ich als Kind durch eigene Erlebnisse und meine Lektüren kennen gelernt
hatte. Mir wurde von Fällen berichtet, bei denen der oder die Betreffende
wusste, was jemand dachte, noch ehe es ausgesprochen wurde, oder es wurden zukünftige
Ereignisse vorhergesagt, die tatsächlich eintraten, oder jemand hatte eine
besondere, wortlos sich zeigende Verbundenheit mit Tieren. Wieder andere hatten
Visionen von ihren Großeltern oder anderen geliebten Menschen, oder sie
kommunizierten mit Engeln – Fähigkeiten, die scheinbar Heiligen und
Propheten der Alten Welt vorbehalten waren.
Wenn ich so darüber nachdenke, stimmt diese Befähigung der Sinne zu
einer höheren Schwingung mit der prägnanten, oft überwältigenden
autistischen Sensibilität für alles überein, was man sieht, riecht,
schmeckt, berührt oder hört. Manche Personen mit Autismus reagieren
sogar auf wetterbedingte Veränderungen der Anzahl positiver Ionen –
ein Vorgang, der als Serotonin-Stress-Reaktion bezeichnet wird und das Nervensystem
der oder des Betreffenden völlig durcheinanderbringen kann. 2002 berichtete
die amerikanische Academy of Neurology über Forschungen von Wissenschaftlern
des Medical College in Georgia, der University of South Carolina und des Downtown
VA Medical Center in Augusta/Georgia. Sie hatten computergenerierte Bilder des
Gehirns von Menschen mit Autismus untersucht und festgestellt, dass kleinere,
sich aber überdurchschnittlich reproduzierende Minikolumnen – eine
Basiseinheit der Hirnzellenorganisation – jenem chronischen Übererregungszustand
entsprachen, der vermutlich die Fähigkeit beeinträchtigt, zwischen konkurrierenden
sensorischen Informationen zu unterscheiden.
Die klinische Autismus-Definition wird weder den Familien noch den Betroffenen
gerecht. Leider verweist sie oft eher auf die Defizite, die man an sich wahrnimmt,
als auf die eigenen Stärken, Begabungen und Fähigkeiten.
Viele Eltern sagten mir, es wäre ein »Todesurteil« für sie,
wenn ihr Kind die Diagnose »Autismus« erhielte. Einige sind extrem
verbittert oder ärgern sich maßlos über den Autismus ihres Kindes
und die verwirrenden und manchmal gewalttätigen Verhaltensweisen, die das
nach sich ziehen kann. Dieser Bereich ist sehr verworren. Sehr häufig liegt
der Schwerpunkt darauf, wie man Menschen mit Autismus in Hinblick auf Konformität
und »Normalität« am besten »managt« und steuert,
sodass das Offensichtliche häufig vergessen wird: die ungewöhnlichen
und kolossalen Gaben von Menschen, die von Natur aus zart und ausnehmend
feinfühlig sind.
Vor allem müssen wir das Klischee erschüttern, Menschen mit Autismus
wären zwangsläufig intellektuell beeinträchtigt (das heißt,
in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben), eben weil sie autistisch
sind. Sollten Sie dieser Meinung sein, möchte ich Sie höflichst bitten,
Ihre diesbezüglichen Vorbehalte abzulegen. Mein Mantra lautet: »Unterstellen
Sie immer Intelligenz.« Ich möchte Sie auch ermutigen, sich intensiv
um ein Verständnis des Autismus zu bemühen.
Wenn man davon ausgeht, dass unsere Seelen auf der Reise zur spirituellen Vollkommenheit
einen Weg des ewigen Lernens durchlaufen, mag es aus theologischer Sicht zutreffen,
dass die Menschen, die in ihrem Leben vor den größten Herausforderungen
stehen, zu den fortgeschrittensten Seelen zählen.
Angela, ein recht junges Mädchen mit autistischen Merkmalen, bemerkte: »Ich
bete darum, dass der Himmel einen Plan für mein Leben hat. Gott liebt Menschen,
die ein Leben führen wie ich.«